Die Geschichte der norwegischen Sprache

geschichte der Norwegischen Sprache
Das Dorf Reine auf den Lofoten hat nur knapp über 300 Einwohner.

Das Altnorwegische, umgangssprachliche von den Norwegern und den Isländern auch Norrønt mál (nordische Sprache) genannt, bildet den Ursprung der norwegischen Sprache. Die Größe und Unwegsamkeit Norwegens und die damit verbundene schlechte Infrastruktur sind der Grund dafür, dass sich im Norwegischen kein einheitlicher, normierter Sprachstandard entwickeln konnte. Buchstäblich in jedem Tal konnte sich die Sprache über die Jahre hinweg unabhängig voneinander weiterentwickeln. So entstanden die zahlreichen norwegischen Dialekte.

Ein weiterer Grund für die vielen Dialekte und Sprachstandards  ist das Fehlen eines konsequenten politischen und wirtschaftlichen Zentrums, sowie die ab dem Spätmittelalter bis ins anfängliche 19. Jahrhundert anhaltende dänische Vorherrschaft, die die dänische Sprache als Amtssprache in Norwegen mit sich führte.

Während des Spätmittelalters und der älteren Neuzeit zog ein starker Einfluss vom Niederdeutschen und vom Dänischen ins Norwegische. So wurden eine ganze Menge niederdeutsche Wörter als Lehnwörter integriert, da Mittelniederdeutsch während der Hansezeit die Handelssprache war.

Im Zuge der dänisch-norwegischen Personalunion (1380 bis 1814) geriet die norwegische Schriftsprache mehr und mehr außer Benutzung. Im Zuge der Reformation verschwand die norwegische Schriftsprache komplett.



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Aufgrund der bereits beschriebenen Unwegsamkeit im damaligen Norwegen, hielt die dänische Sprache auf dem Lande nur wenig bis gar keinen Einzug, so dass die verschiedenen Dialekte überlebt haben.

Im Jahre 1814 trennte sich Norwegen von Dänemark. Die ursprüngliche norwegische Sprache wurde wieder zum Leben erweckt, vor allem auch als Zeichen der Emanzipation Norwegens.

Es stellte sich die Frage, ob man die dänischen Einflüsse weiterhin billigen solle, oder ob man eine neue eigenständige Sprache auf Grundlage der alten Dialekte erschaffen solle.

Die Geschichte der norwegischen Sprache ist geprägt von vielen Reformen

Alesund - sea view on island in Norwegian fjords, Norway.
Blick in den Fjord von Alesund

Im Jahre 1850 war es dann der Sprachwissenschaftler und Dichter Ivar Aasen der Landsmål (später Nynorsk genannt) entwickelte. Aasen wollte damit dem Dialekt sprechenden Volk eine Schriftsprache geben. Als zentrales Element der Demokratiebewegung ist Landsmål/Nynorsk seit 1885 amtlich anerkannte Schriftsprache.

Nynorsk wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts an die ebenfalls amtlich anerkannte Schriftsprache Bokmål (vorher Riksmål genannt) angenähert.

Derzeit liegt der Anteil der Bevölkerung die Nynorsk spricht und schreibt bei 10-15 Prozent. Dies lieg zum einen mit daran, dass in Norwegen die meisten Leute in oder in der Nähe von den großen Städten leben. Vor allem in Oslo wird Nynorsk als befremdlich empfunden. Zudem hat Nynorsk als Sprache vom Land nie wirklich eine Verankerung in den politischen und wirtschaftlichen Zentren gefunden. Auch ein Grund ist, dass die Grammatik von Bokmål einfacher ist.

Um beide Schriftsprachen mit einander anzunähern, wurden im 20. Jahrhundert mehrere Rechtschreibreformen durchgeführt. Auf Druck der Nynorsk-Bewegung wurden so „norwegische“ Ausdrücke propagiert, die traditionelle dänische Begriffe ersetzen sollten. Da dies nicht so wie erhofft umgesetzt und angenommen wurde, wurde 1938 eine weitere große Reform verabschiedet. Viele dänische Elemente durften fortan nicht mehr gebraucht werden. Aber auch diese Reform wurde von den Norwegern kaum angenommen. Nach vielen Streitigkeiten und Konflikten gab es weitere Sprachreformen. Ergebnis all dieser Reformen ist die Existenz von verschiedenen Rechtschreibnormen, zwischen denen gewählt werden kann.