Weshalb ich Norwegisch lerne

„Weshalb ich Norwegisch lerne“ – Ein Gastbeitrag von Linus:

Weshalb habe ich angefangen Norwegisch zu lernen?

Vor einigen Jahren habe ich eine Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann in einem kleinen Reisebüro in Hamburg begonnen. In diesem Reisebüro kann man Reisen in alle Länder der Welt buchen. Aber da wir auf Skandinavien spezialisiert sind und sich unsere Werbung auch auf die Reiseländer Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland als Reiseziele beschränkt, sind circa 80% aller Buchungen für nordische Länder.

Um die Reisen und die Reiseländer besser kennenzulernen und um die Kunden besser und authentischer beraten zu können, bin ich am Anfang selbst viel in die skandinavischen Länder gereist.

Blick auf das Bryggen-Hafenviertel in Bergen
Blick auf das Bryggen-Hafenviertel in Bergen

So führte mich irgendwann auch eine Reise in die Hauptstadt Norwegens. Mit meiner damaligen Freundin ging es mit dem Zug zunächst von Hamburg nach Kiel. Von Kiel aus mit der MS Color Fantasy nach Oslo. Die Schiffsreise dauert knapp 20 Stunden. Schon nach dem Einchecken ging für uns das Urlaubserlebnis los. Das Schiff ist von innen wie ein Kreuzfahrtschiff ausgestattet. Viele Restaurants, ein SPA Bereich, ein Badeland, eine Discothek und eine Theaterbühne mit Shows.

Ich hatte das Gefühl, dass nicht nur alle Mitarbeiter an Bord, sondern auch die meisten der Passagiere aus Norwegen kommen. Es gab keine Ecke an Bord, in der man nicht auf Leute traf, die sich auf Norwegisch unterhalten haben. Für mich war das aber alles andere als unangenehm. Ich fand den Klang der norwegischen Sprache einfach nur faszinierend und wunderschön zugleich. In der Showlounge haben wir ein ungefähr gleichaltriges Paar aus Norwegen kennengelernt und schnell Freundschaft geschlossen. Schnell waren mit God Dag (Guten Tag), Takk skal du ha (Vielen Dank) und Ha det godt (Hab es gut) die ersten norwegischen Floskeln gelernt. Nicht zu vergessen das Wort Skål (Prost), das die meisten schon kennen werden.

Am nächsten morgen sind wir dann in Oslo angekommen. Nach einer Stadtrundfahrt, die uns auf die Sprungschanze Holmenkollen, in den Vigelandspark und in das Fram Museum geführt hat, haben wir erstmal im Hotel eingecheckt. Anschließend ging es auf Shoppingtour. In den Geschäften und Straßen konnte ich weiter der norwegischen Sprache lauschen. Meine Freundin war schon recht genervt, da ich durch das ganze Lauschen sehr ungesprächig war. Ein Buchladen hatte vor dem Geschäft viele reduzierte Bücher aufgebaut. Darunter das Buch Pippi går på sjø von Astrid Lindgren. Da ich als kleines Kinde mit Vergnügen die Bücher von Astrid Lindgren gelesen habe und mir zwischenzeitlich schon vorgenommen hatte, dass ich Norwegisch lernen will, habe ich mir dieses Buch gekauft. Von meiner Freundin musste ich mir anhören, dass dieser Kauf ja wohl „die größte Geldverschwendung der Welt sei„. Aber sie sollte sich noch wundern. Mit dem Buch im Gepäck und dem Willen Norwegisch zu lernen, ging es am nächsten Tag zurück über Kiel nach Hamburg.

Norwegisch lernen per Volkshochschulkurs

Obwohl meine Freundin anfangs recht skeptisch war, hat Sie mir dann zum Geburtstag einen Norwegisch Volkshochschulkurs geschenkt. Der Kurs bestand aus 10 Abenden à 90 Minuten. Das im Kurs verwendete Lehrbuch war Buch Et år i Norge von Randi Rosenvinge Schirmer (weitere Informationen über dieses Lehrbuch). Das Buch ist für deutsche Lerner gedacht und meiner Meinung nach weiterzuempfehlen. Obwohl mit diesem Buch scheinbar auch an vielen Universitäten in Deutschland gelernt wird, fand ich die Lektionen nicht zu schwer.

Weshalb ich norwegisch lerne
Das Rathaus von Oslo mit seinen zwei markanten Türmen.

Der Kurs bestand aus sieben Teilnehmern im fortgeschrittenen Alter. Meine Mitstreiter wollten Norwegisch lernen, um in den nächsten Urlauben etwas kommunizieren zu können. Eine so ambitiöse Einstellung wie ich hatte hier keiner. Schon nach wenigen Kursen stellte sich heraus, dass mich der Kurs nicht weiterbringen wird. Meine Mitlerner waren schon mit wenigen einfachen Sätzen und Wörter zufrieden und fühlten sich für den nächsten Urlaub gewappnet. Ich wollte mehr. Da sich alle Mitstreiter für den anschließenden Kurs angemeldet hatten, habe ich mich nicht angemeldet. Ich hatte großen Respekt vor meinen Mitstreitern, die in ihrem Altern noch eine neue Sprache lernen möchten, doch für mich war die Lerngeschwindigkeit zu langsam.

Norwegisch lernen ohne Volkshochschulkurs

Da es keine weiteren Kurse gab, musste ich nun im Selbststudium weitermachen. Die Auswahl an Norwegisch Sprachkursen für zu Hause war zwar nicht groß, dennoch war die Entscheidung nicht einfach. Über einen Spracheinstufungstest und eine Sprachkursdemo bin ich bei einem Onlinesprachkurs gelandet. In dem Sprachkurs wurde mir das Lerntempo vorgegeben. Trotzdem konnte ich als fleißiger Lerner das Tempo etwas beschleunigen. Im Schnitt habe ich jeden Tag 9 Vokabeln gelernt und auch tatsächlich behalten können. Die Grammatik kam auch nicht zu kurz, wobei ich eher einfach drauflosspreche und mir in erster Linie weniger Gedanken über eine korrekte Grammatik mache. Wer sich für den Onlinekurs interessiert, hier ein Link.

Norwegisch lernen in Norwegen

1.768 Vokabeln später bekam ich dann die einmalige Chance mit einer Studentengruppe und Dozentin nach Norwegen zu reisen. Ein ehemaliger Mitschüler von mir, der Skandinavistik studiert und der von meinem Norwegischselbststudium wusste, sprach mich an, da eine geplante Studienreise anstand und mehrere Studenten kurzfristig abgesagt hatten. Das war meine Chance! Über den Sommer ging es für 21 Tage nach Bergen. Deutsch zu sprechen war in dieser Zeit verboten und wurde mit Küchendienst bestraft. Die Dozentin hat für uns jeden Tag Touren oder Besichtigungen geplant. Auch der Besuch der Universität in Bergen stand auf dem Plan.

Mittlerweile kann ich sehr gut Norwegisch sprechen. Allerdings merke ich, dass mir das Sprechen und Lesen schwieriger fällt, wenn man nicht im Training bleibt und regelmäßig Norwegisch spricht. Über eine Sprachtandemseite habe ich drei Freunde in Norwegen gefunden, denen es ähnlich geht. So versuche ich wenigstens einmal die Woche für eine halbe Stunde Norwegisch zu sprechen. Was mir auch sehr hilft, sind norwegische Internetseiten (z.B. vg.no). In meiner Mittagspause surfe ich statt auf deutschen Nachrichtenseiten lieber auf norwegischen Nachrichtenseiten herum.


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