Verkehrsregeln in Norwegen unterscheiden sich teils deutlich von Deutschland – bei Geschwindigkeit, Promillegrenze und Kindersitz. Hier findest du alles, was du vor der Fahrt wissen musst, inklusive aktueller Bußgelder.

Ich erinnere mich noch gut an meine erste Geschäftsreise nach Norwegen: Mit einem unbekannten Firmenwagen in Larvik von der Fähre gerollt und erstmal am Straßenrand angehalten, um zu überlegen – Rechtsverkehr? Tempolimit? Lichtpflicht? Seit 2006 bin ich regelmäßig beruflich in Norwegen unterwegs und kenne die Unterschiede zum deutschen Straßenverkehr inzwischen aus eigener Erfahrung. In diesem Ratgeber habe ich alles zusammengefasst, was du als deutscher Autofahrer in Norwegen wissen musst.
Verkehrsregeln Norwegen – das Wichtigste auf einen Blick
- Rechtsverkehr – wie in Deutschland, seit 1858
- Tempolimit: Innerorts 50 km/h, außerorts 80 km/h, Autobahn 90–110 km/h
- Promillegrenze: 0,2 ‰ (deutlich strenger als in Deutschland)
- Lichtpflicht: Abblendlicht oder Tagfahrlicht ganzjährig Pflicht
- Kindersitz: Pflicht für Kinder unter 1,35 m oder unter 36 kg
- Bußgelder: Deutlich höher als in Deutschland – ab 400 € bei 20 km/h zu schnell
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Rechtsverkehr in Norwegen – ja oder nein?
Diese Frage bekomme ich überraschend oft gestellt: Ja, in Norwegen herrscht Rechtsverkehr – und zwar bereits seit 1858. Du fährst also auf der rechten Straßenseite, genau wie in Deutschland. An unbeschilderten Kreuzungen gilt die Rechts-vor-Links-Regelung. Straßenbahnen und Schienenfahrzeuge haben in Norwegen immer Vorfahrt – darauf solltest du besonders in Oslo und Bergen achten.
Übrigens: Auch Schweden hat Rechtsverkehr. Dort wurde allerdings erst 1967 vom Links- auf den Rechtsverkehr umgestellt – der berühmte „Dagen H“.
Höchstgeschwindigkeit in Norwegen
Aus meiner Erfahrung ist das Tempo der größte Unterschied zu Deutschland. Wer an die Autobahn ohne Tempolimit gewöhnt ist, muss sich in Norwegen umstellen. Mehr als 110 km/h darfst du nirgendwo fahren – und das auch nur auf wenigen Autobahnabschnitten.
Die allgemeinen Geschwindigkeitsbegrenzungen in Norwegen:
Pkw und Motorrad:
- Innerorts – 50 km/h
- Außerorts – 80 km/h
- Autobahn und Schnellstraße – 90 bis 110 km/h
Wohnmobil bis 3,5 Tonnen:
- Innerorts – 50 km/h für Wohnmobile in Norwegen
- Außerorts – 80 km/h
- Autobahn und Schnellstraße – 90 bis 110 km/h
Pkw mit Wohnwagen oder Anhänger:
- Innerorts – 50 km/h
- Außerorts – 80 km/h
- Autobahn und Schnellstraße – 80 km/h
Wichtig: Gespanne mit ungebremstem Anhänger über 300 kg dürfen außerorts maximal 60 km/h fahren. In Wohngebieten gilt häufig ein Tempolimit von 30 km/h – achte auf die Beschilderung.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man sich in Norwegen schnell an die niedrigeren Geschwindigkeiten gewöhnt. Die Straßen sind oft schmal und kurvenreich, besonders entlang der Fjorde. Außerdem trifft man auf den Landstraßen regelmäßig auf Schafe oder Rentiere, die in aller Ruhe über die Fahrbahn spazieren. 80 km/h fühlen sich dort absolut angemessen an.

Promillegrenze und Alkohol am Steuer
In Norwegen gilt eine Promillegrenze von 0,2 ‰ – das ist deutlich strenger als die 0,5 ‰ in Deutschland. In der Praxis bedeutet das: Bereits ein Glas Wein am Abend kann am nächsten Morgen noch ein Problem sein.
Die Strafen für Alkohol am Steuer richten sich nach dem monatlichen Bruttoeinkommen des Fahrers. Du kannst von einer Strafe zwischen einem und 1,5 Bruttomonatsgehältern ausgehen. Bei höheren Promillewerten drohen zusätzlich Führerscheinentzug und sogar Freiheitsstrafen.
Mein Rat: Wenn du in Norwegen Auto fährst, lass den Alkohol komplett weg. Die Norweger handhaben das genauso – auf geschäftlichen Abendessen mit norwegischen Kollegen war es völlig normal, dass der Fahrer konsequent beim Wasser blieb.
Kindersitzpflicht in Norwegen
Wenn du mit Kindern nach Norwegen reist, gelten folgende Regeln: Alle Kinder, die kleiner als 1,35 Meter sind oder weniger als 36 Kilogramm wiegen, müssen in einem geeigneten Kindersitz gesichert werden. Für größere Kinder genügt eine Sitzerhöhung mit Sicherheitsgurt. Alle Insassen im Fahrzeug müssen angeschnallt sein.
Sitzerhöhung im Bus: In Linienbussen in Norwegen gelten andere Regeln als im Pkw. Kinder dürfen in Bussen ohne Kindersitz mitfahren, sofern keine Gurte vorhanden sind. Sind Gurte vorhanden, müssen sie auch von Kindern benutzt werden. Eine Sitzerhöhung ist in Bussen nicht vorgeschrieben, wird aber für kleinere Kinder empfohlen.
Tipp für den Mietwagen in Norwegen: Kindersitze kannst du bei den meisten Vermietungen dazubuchen. Reserviere den Sitz unbedingt vorab – vor Ort sind sie oft vergriffen.

Tagfahrlicht – ganzjährige Pflicht
In Norwegen ist das Fahren mit Abblendlicht oder Tagfahrlicht ganzjährig Pflicht – auch bei strahlendem Sonnenschein. Das gilt für alle Fahrzeuge, einschließlich Motorräder und Mopeds.
In Deutschland ist das Tagfahrlicht dagegen nur bei Dunkelheit und schlechter Sicht vorgeschrieben. Das vergisst man leicht, wenn man gerade erst von der Fähre gerollt ist. Mein Firmenwagen hatte damals automatisches Tagfahrlicht – Glück gehabt. Prüfe vor der Fahrt, ob dein Fahrzeug das ebenfalls hat, sonst musst du das Licht manuell einschalten.
Parken in Norwegen
Die Parkregeln in Norwegen sind strenger als in Deutschland. Folgende Regelungen solltest du kennen:
Fünf Meter vor Kreuzungen oder Fußgängerüberwegen herrscht Parkverbot. Du darfst dein Fahrzeug nicht vor Ein- oder Ausfahrten abstellen. Auf Geh- und Radwegen herrscht absolutes Halteverbot. An Bushaltestellen oder Taxiständen musst du einen Abstand von mindestens 20 Metern einhalten. Auf Autobahnen und Schnellstraßen mit einer Geschwindigkeit über 50 km/h darf nicht geparkt werden. Eine durchgezogene weiße Linie am Fahrbahnrand bedeutet ebenfalls Parkverbot.
So erkennst du die Parkplätze: Blaue Schilder kennzeichnen in Norwegen die kommunalen Parkplätze. Privatparkplätze erkennst du an einem bräunlichen Schild. In vielen Städten sind die Parkgebühren deutlich höher als in Deutschland – in Oslo zahlt man schnell 40–60 NOK pro Stunde.
Telefonieren am Steuer
Das Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung ist in Norwegen verboten. Seit der Anhebung im März 2025 kostet ein Verstoß 10.450 NOK (ca. 900 €). Das ist mehr als das Zehnfache des deutschen Bußgeldes. Auch das Bedienen des Handys an einer roten Ampel ist in Norwegen nicht erlaubt.
Wildwechsel – Elche und Rentiere auf der Straße
Warnschilder mit Elchen oder Rentieren solltest du ernst nehmen. Besonders bei Dämmerung und in abgelegenen Regionen – etwa in der Finnmark oder auf den Lofoten – überqueren Tiere regelmäßig die Straße. Ein Zusammenstoß mit einem ausgewachsenen Elch ist lebensgefährlich.
Bei einem Wildunfall solltest du sofort die Polizei oder den Straßendienst informieren (Telefonnummer 175). Verlasse die Unfallstelle nicht, ohne den Vorfall gemeldet zu haben.
Winterfahrt und Reifen in Norwegen
Das Reifenprofil muss im Sommer mindestens 1,6 Millimeter betragen. Im Winter verlangt Norwegen ein Profil von mindestens 3 Millimetern. Ganzjahresreifen müssen sogar 5 Millimeter Profiltiefe aufweisen.
Fahrzeuge mit über 3,5 Tonnen Gesamtgewicht müssen zwischen dem 15. November und dem ersten Sonntag nach Ostern Schneeketten dabei haben. Spikereifen sind zwischen dem 1. November und dem ersten Sonntag nach Ostern erlaubt – in Nordnorwegen (Nordland, Troms, Finnmark) sogar ab dem 15. Oktober.
Aus eigener Erfahrung: Norwegische Winterstraßen sind eine andere Liga als deutsche. Bergpässe können bei Schneefall und Wind kurzfristig gesperrt werden. Ich empfehle, auf den Seiten von Statens vegvesen (der norwegischen Straßenverkehrsbehörde) vor der Fahrt die aktuelle Straßenlage zu prüfen.

Maut in Norwegen
Wer in Norwegen Auto fährt, wird unweigerlich Mautstellen passieren. Mautgebühren in Norwegen werden vorrangig in Tunneln und auf Brücken erhoben. Die Höhe hängt vom Fahrzeugtyp ab.
Tipp: Bist du mit dem Motorrad unterwegs, brauchst du nur am Atlanterhavstunnel Maut zu entrichten. Ansonsten hast du freie Fahrt.
In Norwegen gibt es etwa 200 Mautstellen. Eine Bezahlung vor Ort ist nur an den wenigsten Stellen möglich. Gängig sind sogenannte AutoPASS-Boxen, die an der Windschutzscheibe angebracht werden und von den Mautstationen automatisch ausgelesen werden. Die Beträge werden dann direkt vom Konto abgebucht. Alternativ kannst du dein Kennzeichen vorab im System registrieren – die Gebühren werden dann über eine hinterlegte Kreditkarte eingezogen. Wer nicht zahlt, bekommt eine Rechnung nach Hause – mit Aufschlag.

Bußgelder in Norwegen – aktuelle Übersicht (Stand März 2025)
Die Bußgelder in Norwegen liegen deutlich über dem deutschen Niveau. Seit dem 1. März 2025 wurden die Strafen erneut angehoben. Hier eine Übersicht der wichtigsten Verstöße:
| Verstoß | Bußgeld (ca. in Euro) |
| 5–10 km/h zu schnell | ab 80 € |
| 20 km/h zu schnell | ab 400 € |
| 50 km/h zu schnell | ab 900 € |
| Rotlichtverstoß | ca. 900 € |
| Handy am Steuer | ca. 900 € |
| Gurt nicht angelegt | ab 165 € |
| Falschparken | ab 80 € |
| Alkohol am Steuer (ab 0,2 ‰) | ab 550 € (einkommensabhängig) |
Wichtig zu wissen: Innerorts droht bereits ab 26 km/h zu schnell der Führerscheinentzug. Bei extremen Überschreitungen kann neben dem Entzug auch eine Freiheitsstrafe verhängt werden. Die Polizei kann Bußgelder in Norwegen direkt vor Ort erheben.
Noch ein Hinweis: Bußgelder aus Norwegen sind in Deutschland vollstreckbar. Da Norwegen dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) angehört, können norwegische Behörden Bußgelder auch in Deutschland eintreiben. Ignorieren ist also keine Option.
Was ich jedem Norwegen-Fahrer noch empfehle
Nach vielen Fahrten durch Norwegen – beruflich und privat – habe ich mir einige Gewohnheiten angeeignet, die ich dir mitgeben möchte:
Tanke rechtzeitig. Tankstellen sind in abgelegenen Regionen, besonders in Nordnorwegen, selten. Ich tanke grundsätzlich, wenn der Tank halb leer ist.
Nimm Warnschilder für Wildwechsel ernst. Ein Kollege hatte auf einer Dienstreise nördlich von Trondheim einen Beinahe-Zusammenstoß mit einem Elch. Die Tiere sind besonders in der Dämmerung aktiv.
Plane mehr Zeit ein. Norwegische Straßen sind oft einspurig mit Ausweichstellen. Die Entfernungen auf der Karte täuschen – für 200 Kilometer brauchst du schnell drei bis vier Stunden.
Halte an und genieße die Landschaft. Norwegen hat an vielen Straßen offizielle Aussichtspunkte (rasteplass). Die sind oft atemberaubend und kosten nichts.
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