Die norwegische Sprache verstehen: Warum es zwei Schriftsprachen gibt, welche du lernen solltest und was 18 Jahre Norwegisch-Erfahrung mich gelehrt haben.

Von Sven | Norwegisch-Lerner seit 2006 | Autor des Bestsellers „Norwegisch Grundwortschatz“
Als ich 2006 anfing, Norwegisch zu lernen, war ich verwirrt: Bokmål oder Nynorsk? Welche norwegische Sprache sollte ich lernen? Mein Sprachkurs nutzte Bokmål, aber ich las von Nynorsk und hunderten Dialekten. Heute kann ich dir aus Erfahrung sagen: Die Antwort ist einfacher als du denkst.
In diesem Artikel erkläre ich dir die norwegische Sprache so, wie ich sie selbst kennengelernt habe – praktisch, verständlich und mit dem Wissen aus hunderten Gesprächen mit Norwegern. Du erfährst, warum es zwei offizielle Schriftsprachen gibt, welche du lernen solltest und wie die Geschichte die heutige Sprachsituation geprägt hat.
Die norwegische Sprache verstehen – Quick Answer
⚡ Das Wichtigste über die norwegische Sprache
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Welche Sprache spricht man in Norwegen? | Norwegisch mit zwei Schriftsprachen: Bokmål (85-90%) und Nynorsk (10-15%) |
| Welche sollte ich lernen? | Bokmål! (Wird von 85-90% genutzt, vor allem in Städten) |
| Warum zwei Schriftsprachen? | Historisch: Bokmål = dänischer Einfluss, Nynorsk = norwegische Dialekte |
| Sind sie sehr unterschiedlich? | Nein! 80-90% identisch, gegenseitig verständlich |
| Ist Norwegisch schwer? | Für Deutsche: Mittelschwer (ähnliche Grammatik, aber neue Vokabeln) |
💡 Meine Empfehlung: Lerne Bokmål! Du verstehst dann automatisch auch Nynorsk.
Jetzt erkläre ich dir warum es so ist und was du als Lernender wissen musst…
Welche Sprache spricht man in Norwegen? Die praktische Antwort
Die kurze Antwort: In Norwegen spricht man Norwegisch – aber es gibt zwei offizielle Schriftsprachen: Bokmål und Nynorsk.
Aus meiner Erfahrung als Norwegisch-Lerner: Als ich 2006 anfing, dachte ich, ich müsste mich zwischen zwei komplett verschiedenen Sprachen entscheiden. Das stimmt nicht! Beide sind Norwegisch, nur mit leicht unterschiedlicher Schreibweise – etwa 80-90% identisch.
Bokmål vs. Nynorsk – Der praktische Vergleich
| Merkmal | Bokmål | Nynorsk |
|---|---|---|
| Verbreitung | 85-90% der Bevölkerung | 10-15% der Bevölkerung |
| Wo gesprochen? | Oslo, Bergen, Städte, Osten | Westküste, ländliche Gebiete |
| Herkunft | Dänisch beeinflusst | Norwegische Dialekte |
| Grammatik | Einfacher | Komplexer |
| Medien/Business | Standard | Selten |
| Für Lernende | ✅ EMPFOHLEN | Nur für Spezialfälle |
Beispiel-Unterschiede:
| Deutsch | Bokmål | Nynorsk |
|---|---|---|
| Ich bin | jeg er | eg er |
| nicht | ikke | ikkje |
| klein | liten | liten |
| Buch | bok | bok |
Warum sollte ich Bokmål lernen? Meine klare Empfehlung
Aus meiner Erfahrung ist die Empfehlung glasklar: Lerne Bokmål!
Warum? Hier sind meine Gründe aus der Praxis:
1. Verbreitung (85-90%)
Fast alle Norweger nutzen Bokmål. In Oslo, Bergen, Trondheim – überall ist Bokmål Standard. Ich habe vielleicht 5-10 Mal mit jemandem gesprochen, der hauptsächlich Nynorsk nutzt.
2. Medien & Business
Zeitungen, Fernsehen, Geschäftskommunikation – alles auf Bokmål. Wenn du beruflich Norwegisch brauchst (wie ich), ist Bokmål ein Muss.
3. Einfachere Grammatik
Bokmål hat eine simplere Grammatik als Nynorsk. Als Anfänger hattest du es schon schwer genug – warum es noch schwerer machen?
4. Mehr Lernmaterialien
99% der Norwegisch-Kurse, Apps und Bücher nutzen Bokmål. Auch mein Norwegisch Grundwortschatz ist auf Bokmål basiert.
5. Du verstehst automatisch Nynorsk
Wenn du Bokmål kannst, verstehst du Nynorsk zu 80-90%. Umgekehrt funktioniert es auch, aber Bokmål ist der praktischere Start.
Mehr Details zu Bokmål findest du in unserem ausführlichen Guide: → Alles über Bokmål
Erlebe, wie einfach Norwegisch lernen sein kann, wenn du die Ähnlichkeiten zwischen Deutsch, Norwegisch und Englisch entdeckst.
Ein unverzichtbares Tool für jeden, der Norwegisch lernen will.
Die Geschichte der norwegischen Sprache – Warum gibt es zwei Schriftsprachen?
Jetzt wird es historisch – aber ich halte es kurz und praktisch! Um die norwegische Sprache zu verstehen, musst du ihre Geschichte kennen.
Vom Altnorwegischen zur dänischen Herrschaft
Das Altnorwegische (von Norwegern „Norrønt mál“ genannt) war die ursprüngliche norwegische Sprache. Aber dann kam das Problem: Norwegens Geografie.
Aus historischer Sicht war Norwegen ein Albtraum für Sprachstandardisierung:
- Buchstäblich in jedem Tal entwickelte sich die Sprache unterschiedlich
- Keine guten Straßen, keine Kommunikation zwischen Regionen
- Kein politisches oder wirtschaftliches Zentrum wie Paris oder London
- Hunderte isolierte Gemeinden = hunderte Dialekte
Dann kam 1380 die dänisch-norwegische Personalunion – und damit 434 Jahre dänische Vorherrschaft! Dänisch wurde Amtssprache, und die norwegische Schriftsprache verschwand nach der Reformation komplett.
ABER: Auf dem Land sprachen die Norweger weiter ihre Dialekte. Die dänische Sprache hielt in den abgelegenen Regionen kaum Einzug. So überlebten die norwegischen Dialekte – ein Glück für die spätere Wiedergeburt der Sprache!
1814: Norwegens Unabhängigkeit & die Sprachfrage
1814 trennte sich Norwegen von Dänemark. Endlich unabhängig! Aber welche Sprache sollte das neue Norwegen sprechen?
Zwei Lager stritten sich:
Lager 1: „Behalten wir das Dänische (= späteres Bokmål)“
Argument: Die gebildete Stadtbevölkerung spricht bereits so, warum es ändern?
Lager 2: „Schaffen wir eine neue norwegische Sprache (= späteres Nynorsk)“
Argument: Wir brauchen eine ECHTE norwegische Sprache basierend auf unseren Dialekten!
Das Ergebnis? Beide Seiten gewannen! 😅
1850: Ivar Aasen erschafft Nynorsk
1850 entwickelte der Sprachwissenschaftler Ivar Aasen eine neue Schriftsprache: Landsmål (später Nynorsk). Aasen reiste durch ganz Norwegen, sammelte Dialekte und erschuf daraus eine „echte“ norwegische Sprache.
1885 wurde Landsmål/Nynorsk offiziell anerkannt – als demokratisches Symbol gegen die dänische Elite-Sprache.
Gleichzeitig entwickelte sich das Dänische in Norwegen weiter und wurde „norwegisiert“ → Riksmål (später Bokmål).
Ergebnis: Zwei offizielle Schriftsprachen!
20. Jahrhundert: Reformen über Reformen
Im 20. Jahrhundert versuchte Norwegen mehrfach, beide Sprachen anzunähern – mit mäßigem Erfolg:
- 1907: Erste Rechtschreibreform – Riksmål wird zu „Bokmål“
- 1917: Weitere Annäherung beider Sprachen
- 1938: Radikale Reform – viele dänische Elemente verboten (wurde kaum angenommen!)
- 1981: Letzte große Reform – mehr Wahlfreiheit zwischen Schreibweisen
Das Ergebnis heute: Beide Sprachen existieren parallel, Bokmål dominiert klar (85-90%), und es gibt verschiedene Rechtschreibvarianten, zwischen denen man wählen kann.
Norwegische Dialekte – Die dritte Dimension
Neben Bokmål und Nynorsk gibt es noch eine dritte Dimension: Hunderte lokale Dialekte!
Aus meiner Erfahrung: Das war anfangs verwirrend! Ich lernte „Hochnorwegisch“ (Bokmål), aber wenn ich mit Norwegern aus Bergen, Tromsø oder Stavanger sprach, klang es jedes Mal anders.
Warum so viele Dialekte? Wie oben erklärt: Norwegens Geografie + historische Isolation = jede Region entwickelte eigene Sprache.
Die gute Nachricht: Norweger sind extrem dialekt-tolerant! Niemand erwartet von dir, dass du einen lokalen Dialekt sprichst. Bokmål aus dem Lehrbuch ist völlig OK – ich spreche bis heute so, und es war nie ein Problem.
Mehr über norwegische Dialekte: → Norwegische Dialekte – Eine Übersicht
Ist Norwegisch schwer zu lernen? Meine ehrliche Einschätzung
Für Deutsche: Norwegisch ist mittelschwer – deutlich einfacher als Russisch oder Arabisch, aber schwerer als Niederländisch.
Was ist einfach an Norwegisch:
- ✅ Ähnliche Grammatik wie Deutsch (Subjekt-Verb-Objekt Struktur)
- ✅ Kein kompliziertes Kasussystem (kein Genitiv, Dativ, Akkusativ!)
- ✅ Viele ähnliche Wörter (z.B. „bok“ = Buch, „hus“ = Haus)
- ✅ Einfache Verbkonjugation (keine Person/Numerus-Endungen!)
- ✅ Freundliche Norweger (helfen gerne Lernenden)
Was ist schwer an Norwegisch:
- ❌ Aussprache (besonders „kj“, „skj“, tonale Akzente)
- ❌ Viele neue Vokabeln (Grundwortschatz muss komplett neu gelernt werden)
- ❌ Zwei grammatische Geschlechter (männlich, weiblich, sächlich – teilweise unlogisch)
- ❌ Dialekte (können anfangs sehr verwirrend sein)
Meine persönliche Erfahrung: Ich brauchte etwa 8 Jahre, um beruflich sicher Norwegisch zu sprechen. Das klingt lang, aber ich lernte nur 2-3x pro Woche. Mit täglichem Lernen geht es deutlich schneller – in 1-2 Jahren kannst du gut kommunizieren!
Die norwegische Sprache heute – Praktische Fakten
Offizielle Amtssprachen: Bokmål und Nynorsk (beide gleichberechtigt)
Sprecher weltweit: Ca. 5-5,3 Millionen (davon 5 Millionen in Norwegen)
Sprachfamilie: Nordgermanisch (eng verwandt mit Schwedisch und Dänisch)
Gegenseitige Verständlichkeit:
- ✅ Norweger verstehen Schweden: ~80-90%
- ✅ Norweger verstehen Dänen: ~70-80% (gesprochen schwieriger!)
- ✅ Bokmål-Sprecher verstehen Nynorsk: ~90%
Wo wird Norwegisch gesprochen?
- 🇳🇴 Norwegen (5 Millionen)
- 🇺🇸 USA (ca. 200.000 Nachfahren norwegischer Einwanderer)
- 🇸🇪 Schweden (norwegische Minderheit)
- 🇩🇰 Dänemark (norwegische Minderheit)
FAQ – Häufig gestellte Fragen zur norwegischen Sprache
Welche Sprache spricht man in Norwegen?
In Norwegen spricht man Norwegisch, das in zwei offiziellen Schriftsprachen existiert: Bokmål (85-90% der Bevölkerung) und Nynorsk (10-15%). Beide sind Norwegisch, nur mit leicht unterschiedlicher Schreibweise – etwa 80-90% identisch. Gesprochen hört man zusätzlich hunderte lokale Dialekte, die sich von Tal zu Tal unterscheiden können. Für Lernende ist Bokmål die klare Empfehlung, da es in Städten, Medien und Business dominiert.
Was ist der Unterschied zwischen Bokmål und Nynorsk?
Der Hauptunterschied: Bokmål ist historisch vom Dänischen beeinflusst und wird von 85-90% der Norweger genutzt (vor allem in Städten). Nynorsk wurde 1850 aus norwegischen Dialekten erschaffen und wird hauptsächlich an der Westküste und in ländlichen Gebieten genutzt. Beide sind etwa 80-90% identisch und gegenseitig verständlich. Bokmål hat eine einfachere Grammatik. Beispiel: „jeg er“ (Bokmål) vs. „eg er“ (Nynorsk) = „ich bin“. Aus meiner Erfahrung: Lerne Bokmål – du verstehst dann automatisch auch Nynorsk!
Sollte ich Bokmål oder Nynorsk lernen?
Lerne Bokmål! Das empfehle ich klar. Gründe: 1) 85-90% der Norweger nutzen Bokmål, 2) Alle Städte (Oslo, Bergen, Trondheim) nutzen Bokmål, 3) Medien, Business und Behörden nutzen hauptsächlich Bokmål, 4) 99% der Lehrmaterialien sind auf Bokmål, 5) Bokmål hat einfachere Grammatik, und 6) Mit Bokmål verstehst du automatisch auch Nynorsk. Nynorsk solltest du nur lernen, wenn du dauerhaft in eine Nynorsk-Region ziehst oder norwegische Linguistik studierst.
Ist Norwegisch schwer zu lernen für Deutsche?
Für Deutsche ist Norwegisch mittelschwer – einfacher als Russisch oder Arabisch, aber schwerer als Niederländisch. Was einfach ist: Ähnliche Grammatikstruktur, kein kompliziertes Kasussystem (kein Genitiv/Dativ/Akkusativ!), einfache Verbkonjugation ohne Personenendungen, viele ähnliche Wörter. Was schwer ist: Aussprache (besonders „kj“, „skj“), komplett neuer Grundwortschatz, zwei grammatische Geschlechter, und Dialekte können verwirrend sein. Aus meiner Erfahrung: Mit regelmäßigem Lernen (3-4x pro Woche) kannst du in 1-2 Jahren gut kommunizieren. Ich brauchte 8 Jahre für berufliche Sicherheit, lernte aber nur 2-3x pro Woche.
Warum gibt es in Norwegen zwei Schriftsprachen?
Norwegens zwei Schriftsprachen entstanden aus historischen Gründen: Von 1380-1814 war Norwegen unter dänischer Herrschaft, und Dänisch war Amtssprache. Nach der Unabhängigkeit 1814 stellte sich die Frage: Dänischen Einfluss behalten oder neue norwegische Sprache erschaffen? Beide Lager setzten sich durch! Das dänisch-beeinflusste Riksmål wurde zu Bokmål (genutzt von Städten, Elite). 1850 erschuf Ivar Aasen aus norwegischen Dialekten eine neue Sprache: Landsmål/Nynorsk (als demokratisches Symbol). Seit 1885 sind beide offiziell anerkannt. Mehrere Reformen im 20. Jahrhundert versuchten Annäherung – mit mäßigem Erfolg.
Ist Norwegisch ähnlich zu Schwedisch und Dänisch?
Ja! Norwegisch, Schwedisch und Dänisch sind eng verwandt – alle gehören zur nordgermanischen Sprachfamilie. Gegenseitige Verständlichkeit: Norweger verstehen Schwedisch zu 80-90% (sehr ähnlich!), Dänisch zu 70-80% (geschrieben einfacher, gesprochen schwieriger wegen der Aussprache). Wenn du Norwegisch lernst, verstehst du automatisch viel Schwedisch und Dänisch – ein riesiger Bonus! Aus meiner Erfahrung: Mit Norwegisch-Kenntnissen konnte ich schwedische Texte sofort lesen und mich mit Schweden unterhalten. Dänisch verstehen war anfangs schwerer (die Aussprache!), aber mit der Zeit ging es auch.
Zusammenfassung: Die norwegische Sprache verstehen
Nach diesem Artikel weißt du jetzt:
Die wichtigsten Fakten:
- ✅ In Norwegen spricht man Norwegisch mit zwei Schriftsprachen: Bokmål (85-90%) und Nynorsk (10-15%)
- ✅ Lerne Bokmål! – Es ist prakitscher, verbreiteter und einfacher
- ✅ Beide Schriftsprachen sind 80-90% identisch und gegenseitig verständlich
- ✅ Die zwei Sprachen entstanden nach der dänischen Herrschaft (1380-1814)
- ✅ Für Deutsche ist Norwegisch mittelschwer, aber definitiv lernbar
- ✅ Norwegisch ist eng verwandt mit Schwedisch und Dänisch
Mein Rat aus der Praxis: Mach dir keine Sorgen über Bokmål vs. Nynorsk! Lerne einfach Bokmål, und du bist bestens aufgestellt. Die Geschichte ist interessant, aber für deinen Lernfortschritt nicht entscheidend. Wichtiger ist: Fang an, bleib dran, und genieße die Reise!
🎯 Bereit zum Norwegisch-Lernen?
Mit diesem Wissen über die norwegische Sprache kannst du selbstbewusst mit dem Lernen starten. Lykke til! (Viel Erfolg!)
Erfahre mehr über die norwegische Sprache: Unsere praktische Artikelübersicht „Norwegische Sprache“
👤 Über den Autor
Sven lernt seit 2006 Norwegisch und durchlief den kompletten Weg vom verwirrten Anfänger („Bokmål oder Nynorsk?!“) bis zum beruflich sicheren Sprachgebrauch. Heute nutzt er täglich Bokmål im Job und hat nie bereut, sich damals für diese Schriftsprache entschieden zu haben. Als Autor des Amazon-Bestsellers „Norwegisch Grundwortschatz“ (über 4.500 verkaufte Exemplare) teilt er auf Norwegisch-lernen.info seine praxiserprobten Erfahrungen.
