Manche Schiffe sind einfach nur Transportmittel. Die MS Lofoten war für viele Norwegen-Fans etwas anderes: ein schwimmendes Stück Küstengeschichte, in das man sich regelrecht verlieben konnte. Als sie 1964 ihren Dienst in der Hurtigruten-Flotte antrat, war sie ein ganz normales Postschiff, gebaut in der Manier ihrer Zeit. Sechs Jahrzehnte später ist sie eine Legende. Und die Frage, die heute die meisten stellen, lautet: Fährt die MS Lofoten eigentlich noch?
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Ein paar norwegische Wörter öffnen Türen, die Touristen verschlossen bleiben. Norweger schätzen jeden Versuch – versprochen.
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MS Lofoten der Hurtigruten: das Schiff, das die Zeit vergaß
Gebaut wurde die MS Lofoten 1963 bei Akers mekaniske verksted in Oslo, in Dienst ging sie am 27. Februar 1964. Ihr Revier war die Reichsstraße Nr. 1, wie die Norweger ihre Küstenroute liebevoll nennen. Diese Bezeichnung sagt eigentlich schon alles. Der regelmäßige Verkehr zwischen Bergen im Westen und Kirkenes an der russischen Grenze war zunächst kein touristischer Leckerbissen, sondern schlichter Versorgungsverkehr. Post, Waren und Menschen kamen so deutlich schneller in den Norden als über den beschwerlichen Landweg, auf dem man früher Tage oder sogar Wochen unterwegs war.
Mit den Jahrzehnten drehte sich das Verhältnis um: Aus dem Frachter mit ein paar Passagieren wurde ein Passagierschiff mit etwas Fracht. Die MS Lofoten aber behielt ihren Charakter. Nach der Ausmusterung der Nordstjernen 2012 war sie das älteste Schiff der gesamten Hurtigruten-Flotte, eine Mischung aus Arbeitsschiff, Passagierschiff und maritimem Museum. Und das mit einem weitgehend originalen Motor, der bis zuletzt seinen Dienst tat.
An Bord: Nostalgie statt Neonlicht
Wer die MS Lofoten betrat, suchte vergeblich nach der glänzenden Gangway moderner Kreuzfahrtriesen. Ein kleiner, wackliger Metallsteg war in jedem Hafen die einzige Option, um an Bord zu kommen. Im Inneren aber ging dem Nostalgiefreund das Herz auf: alte Holzplanken, niedrige Decken, enge Winkel, Messinggeländer und überall Deko-Objekte aus der Geschichte des Schiffes. Hier verschwamm das Urlaubsleben der Passagiere mit dem Arbeitsalltag der Crew. Lebensmittelkisten stapelten sich dort, wo sich die Reisenden ihren Weg bahnten, und ein Plausch mit den Crewmitgliedern gehörte einfach dazu.
In den 63 Kabinen mit ihren 155 Betten lernte man schnell, wie das Reisen zu Großmutters Zeiten war. Rohre lagen gerne mal auf Putz, Dusche und Toilette teilte man sich mit dem Nachbarn, und Steckdosen waren Mangelware. Wer dachte 1964 schon daran, dass wir im 21. Jahrhundert ständig elektronische Geräte laden würden? Genau dieser Mangel an Komfort störte den typischen Lofoten-Passagier wenig. Er hatte eine andere Erwartung an seinen Urlaub als der klassische Kreuzfahrttourist: Ruhe und Natur.
Die Route: hundert Fjorde in zwölf Tagen
Rund hundert Fjorde lernten die Passagiere in zwölf Tagen kennen, je nach Jahreszeit mit ganz eigenen Höhepunkten. Los ging es im Westen, in Bergen, dem Tor zu den Fjorden.
Im Frühjahr lockte der Lyngenfjord. In Havnnes, einer alten Handelsstätte im Herzen der Lyngenalpen, standen die Menschen fahnenschwenkend am Ufer. Da wurde gehupt, gewunken und gerufen, und manchmal stieg sogar ein Feuerwerkskörper auf. Im Sommer führte die Route in den Geirangerfjord, der seit 2005 zum UNESCO-Weltnaturerbe zählt. Neben den Kreuzfahrtriesen wirkte die kleine Lofoten fast wie ein Beiboot. Wasserfälle wie die Sieben Schwestern zogen vorbei, und in den Steilwänden meinte man das eine oder andere Trollgesicht zu erkennen. Der Herbst gehörte dem stillen Hjørundfjord im Herzen der Sunnmøre-Alpen, wo beim winzigen Ort Urke geankert wurde und Schafe klar in der Überzahl waren.
Wer zwischendurch etwas Stadt brauchte, hatte entlang der Strecke reichlich Gelegenheit. In Trondheim thront der Nidarosdom, die prächtige Krönungskirche der norwegischen Könige. In Tromsø, dem Tor zur Arktis, begab man sich auf die Spuren der Polarforscher Roald Amundsen und Fridtjof Nansen. Und in Kirkenes, dem Wendepunkt der Reise, war die russische Grenze nur noch gut zehn Kilometer entfernt. Ihren Namen trägt die MS Lofoten übrigens nach jener berühmten Inselgruppe, die sie auf ihrer Route passierte und die du hier separat entdecken kannst. Wer generell mit dem Schiff nach Norwegen möchte, findet in unserem Überblick zu Kreuzfahrten in und nach Norwegen weitere Möglichkeiten.
Was heute aus der MS Lofoten wurde
Ab März 2020 wurde die MS Lofoten wegen der Corona-Pandemie aufgelegt, ihre letzte reguläre Hurtigruten-Fahrt absolvierte sie am 31. Dezember 2020. Damit endete nach 56 Jahren ein Stück Küstengeschichte. Verschrottet wurde die Legende aber nicht. Seit dem 1. Januar 2021 dient sie als Schulschiff der Sørlandets Maritime Videregående Skole in Kristiansand, wo angehende norwegische Seeleute an Bord ausgebildet werden.
Wer heute nach der aktuellen Position der MS Lofoten sucht, findet sie also nicht mehr auf der Route zwischen Bergen und Kirkenes, sondern meist im Hafen von Kristiansand. Wegen ihrer weitgehend im Original erhaltenen, von viel Holz geprägten Ausstattung wurde sie in Norwegen unter Denkmalschutz gestellt. Eine ausführliche Chronik des Schiffes findest du in der Schiffsgeschichte bei Wikipedia. So bleibt das Schiff, das die Zeit vergaß, auch der nächsten Generation erhalten.
Ein paar norwegische Wörter für deine eigene Küstenreise
Man muss kein Norwegisch können, um Norwegen zu bereisen. Aber ein paar Wörter öffnen unterwegs Türen und Herzen. Aus meiner Erfahrung reichen für den Anfang eine Handvoll:
- God tur heißt „Gute Reise“ und ist der Klassiker zum Abschied.
- Takk ist das kleine „Danke“, das man ständig braucht.
- Skål sagt man beim Anstoßen, also „Zum Wohl“.
- Fjord ist norwegisch und beschreibt genau das, was die Lofoten so besonders machte.
Wenn du für deinen nächsten Norwegen-Urlaub etwas tiefer einsteigen willst, findest du in unserem Reisevokabular die wichtigsten Ausdrücke für unterwegs. Weitere Ideen für deine Planung sammeln wir im Reise-Bereich.
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Häufige Fragen zur MS Lofoten
Fährt die MS Lofoten noch?
Nein. Ihre letzte reguläre Hurtigruten-Fahrt war am 31. Dezember 2020. Seit dem 1. Januar 2021 ist sie Schulschiff und fährt keine Küstenroute mehr.
Wo liegt die MS Lofoten heute?
Sie gehört zur Sørlandets Maritime Videregående Skole und liegt überwiegend im Hafen von Kristiansand, wo sie als Ausbildungsschiff dient.
Wann wurde die MS Lofoten gebaut?
Gebaut wurde sie 1963 bei Akers mekaniske verksted in Oslo, in Dienst ging sie am 27. Februar 1964.
Wie viele Passagiere hatte die MS Lofoten?
Sie bot Platz für maximal 410 Passagiere und verfügte über 63 Kabinen mit insgesamt 155 Betten.
Warum steht die MS Lofoten unter Denkmalschutz?
Wegen ihrer weitgehend originalen, von viel Holz dominierten Ausstattung gilt sie als erhaltenswertes Kulturgut und wurde in Norwegen unter Schutz gestellt.
Über den Autor
Hej, ich bin Sven. Seit 2006 lerne ich Norwegisch und bin seitdem regelmäßig im Land unterwegs, vom Fjord bis nach Lappland. Schiffe wie die MS Lofoten gehören für mich zu Norwegen wie die Fjorde selbst. Auf Norwegisch-lernen.info teile ich ehrliche Reisetipps und die kleinen sprachlichen Dinge, die einen Urlaub in Norwegen entspannter machen. Mehr über mich erfährst du hier.