
In Norwegen werden mehrere Sprachen und unzählige Dialekte gesprochen. Hier erfährst du, welche Sprachen in Norwegen offiziell sind, was Bokmål und Nynorsk unterscheidet – und was du als Reisender oder Lerner wissen musst.
Kurz & knapp: Die Sprachen in Norwegen
In Norwegen spricht man Norwegisch – und zwar in zwei offiziellen Schriftformen: Bokmål (von ca. 85–90 % der Bevölkerung genutzt) und Nynorsk. Daneben sind Samisch und Kvenisch als Minderheitensprachen anerkannt. Die meisten Norweger sprechen zudem sehr gutes Englisch. Im Alltag verwendet jeder Norweger seinen regionalen Dialekt – auch in offiziellen Situationen.
Die offizielle Sprache Norwegens: Norwegisch
Die Amtssprache Norwegens ist Norwegisch. Soweit wenig überraschend. Was viele aber nicht wissen: Es gibt nicht „das eine“ Norwegisch, sondern zwei offizielle Schriftsprachen – Bokmål und Nynorsk. Beide sind gleichberechtigt, werden in Schulen gelehrt und tauchen auf Straßenschildern, in Behördenbriefen und in den Medien auf.
Als ich 2006 anfing, Norwegisch zu lernen, war mir dieser Unterschied zunächst gar nicht bewusst. Im Kurs lernten wir Bokmål, und erst bei meinen ersten Recherchen auf norwegischen Webseiten stolperte ich über Texte, die irgendwie anders aussahen – das war Nynorsk. Für den Einstieg reicht es, eine der beiden Varianten zu lernen. Die meisten Kurse und Lehrbücher setzen auf Bokmål.
Bokmål und Nynorsk: Zwei Schriftsprachen, ein Land
Bokmål – Die verbreitetere Variante
Bokmål (wörtlich: „Buchsprache“) wird von etwa 85–90 % der norwegischen Bevölkerung als Schriftsprache verwendet. Es hat seine Wurzeln in der dänischen Schriftsprache, die während der über 400 Jahre dauernden Union mit Dänemark (1380–1814) in Norwegen dominierte. Nach der Unabhängigkeit wurde das Dänische schrittweise an die norwegische Aussprache angepasst – daraus entstand Bokmål.
Bokmål ist die Schriftsprache, die du in den meisten Norwegisch-Onlinekursen und Norwegisch-Apps lernst. Auch große Zeitungen wie VG, Dagbladet und der staatliche Rundfunk NRK verwenden überwiegend Bokmål.
Nynorsk – Die sprachliche Alternative
Nynorsk (wörtlich: „Neunorwegisch“) wurde Mitte des 19. Jahrhunderts vom Sprachwissenschaftler Ivar Aasen geschaffen. Er reiste durch das Land, sammelte norwegische Dialekte – vor allem aus dem Westen – und formte daraus eine eigenständige Schriftsprache als Gegenentwurf zum dänisch geprägten Bokmål.
Heute wird Nynorsk von etwa 10–15 % der Bevölkerung als Hauptschriftsprache genutzt, vor allem in Westnorwegen. Alle norwegischen Schüler müssen im Laufe ihrer Schulzeit beide Schriftsprachen lernen – das sorgt regelmäßig für hitzige Debatten.
Der praktische Unterschied für Lerner
Für dich als Lerner ist die Antwort klar: Starte mit Bokmål. Die überwiegende Mehrheit der Lernmaterialien, Kurse und Medien basiert darauf. Ob du Babbel, Sprachenlernen24 oder einen Anfängersprachkurs wählst – du lernst Bokmål.
Nynorsk zu verstehen kommt mit der Zeit, wenn du dich mit der Geschichte der norwegischen Sprache und den Dialekten beschäftigst. Aktiv beherrschen musst du es als Ausländer nicht.
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Norwegische Dialekte: Vielfalt im Alltag
Was Norwegen sprachlich besonders macht, sind die Dialekte. Anders als in Deutschland oder Frankreich, wo Dialekte oft als informell gelten, spricht in Norwegen jeder seinen Dialekt – im Alltag, bei der Arbeit, in den Medien und sogar im Parlament. Es gibt keine verpflichtende „Hochsprache“ für das gesprochene Norwegisch.
Das hat Konsequenzen für Lerner: Das Norwegisch, das du im Kurs lernst, klingt anders als das, was dir ein Bergenser oder Tromsøer auf der Straße entgegnet. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man sich daran gewöhnt – aber man muss wissen, dass es diese Unterschiede gibt.
Einen ausführlichen Überblick über die vier Hauptdialektgruppen (Østnorsk, Vestnorsk, Trøndersk, Nordnorsk) mit Vergleichstabelle und praktischen Tipps für Lerner findest du in meinem Artikel über norwegische Dialekte.
Wie groß der Unterschied zwischen geschriebenem und gesprochenem Norwegisch tatsächlich sein kann, erkläre ich im Detail im Artikel Gesprochenes vs. geschriebenes Norwegisch.
Samisch und andere Minderheitensprachen
Neben Norwegisch gibt es in Norwegen offiziell anerkannte Minderheitensprachen:
Samisch (Sámegielat): Die samischen Sprachen werden von den Sami gesprochen, dem indigenen Volk Nordskandinaviens. In Norwegen sind Nordsamisch, Lulesamisch und Südsamisch als offizielle Sprachen in bestimmten Kommunen anerkannt. In diesen Gebieten – vor allem in Nordnorwegen und Trøndelag – haben Bürger das Recht, Samisch im Kontakt mit Behörden zu verwenden. Straßenschilder sind dort zweisprachig.
Kvenisch: Die Sprache der Kvenen, einer finnischstämmigen Minderheit in Nordnorwegen, ist seit 2005 als eigenständige Sprache anerkannt. Sie wird heute nur noch von wenigen Tausend Menschen gesprochen.
Romani und Romanes: Auch diese Sprachen der Reisenden und Roma sind als Minderheitensprachen anerkannt, spielen aber im öffentlichen Leben kaum eine Rolle.
Für den norwegischen Sprachraum insgesamt sind diese Minderheitensprachen kulturell bedeutend, für Norwegisch-Lerner aber nicht direkt relevant.
Englisch in Norwegen: Kommst du ohne Norwegisch durch?
Kurz: Ja, du kommst in Norwegen mit Englisch sehr weit. Die meisten Norweger sprechen fließend Englisch – laut dem EF English Proficiency Index gehört Norwegen seit Jahren zu den Ländern mit den besten Englischkenntnissen weltweit. In Oslo, Bergen, Tromsø und touristischen Gebieten wirst du kaum Sprachbarrieren erleben.
Aber: Wenn du länger in Norwegen lebst, dort arbeiten oder tiefere Beziehungen aufbauen möchtest, kommst du um Norwegisch nicht herum. In meiner eigenen beruflichen Erfahrung hat sich gezeigt, dass erst die norwegische Sprache die Tür zu echtem Verständnis öffnet – sowohl fachlich als auch menschlich.
Für den Einstieg empfehle ich, mit einem strukturierten Kurs zu beginnen. Ein Überblick über die besten Optionen findest du auf meiner Seite Norwegisch Onlinekurse. Wer lieber mit dem Smartphone lernt, findet passende Optionen im App-Vergleich.
Erfahre alle Tricks, mit denen du jede Sprache schnell und effizient lernen kannst – viel schneller als du es dir jemals hättest erträumen können.
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Welche Sprache spricht man in Oslo?
In Oslo wird Østnorsk gesprochen – die Dialektgruppe, die am nächsten an Bokmål liegt. Für Norwegisch-Lerner ist das ein Vorteil: Was du im Kurs lernst, wirst du in Oslo am besten verstehen.
Allerdings hat Oslo als Hauptstadt auch seine Eigenheiten. Besonders bei jüngeren Sprechern verschmelzen der „kj“-Laut und der „skj“-Laut zunehmend – ein Phänomen, das ältere Norweger regelmäßig beklagen. Für Lerner bedeutet das: Selbst in Oslo klingt Norwegisch nicht immer wie im Lehrbuch.
Wer einen Städtetrip plant, findet praktische Tipps in meinem Artikel Oslo – Die perfekte Vorbereitung auf einen Städtetrip. Grundlegende Reisevokabeln helfen dir, auch ohne Kurs zurechtzukommen.
Welche Sprache spricht man auf den Lofoten?
Auf den Lofoten wird Nordnorsk gesprochen – ein Dialekt, der sich deutlich von der Standardsprache unterscheidet. Verben verlieren oft ihre Endung im Präsens, die Intonation ist melodischer, und viele Wörter klingen für Oslo-trainierte Ohren ungewohnt.
Für Touristen ist das kein Problem: In den touristischen Gebieten der Lofoten spricht jeder Englisch. Wenn du dich aber mit Einheimischen außerhalb der Touristenpfade unterhalten möchtest, hilft ein Grundverständnis der nordnorwegischen Besonderheiten. Mehr dazu im Dialekt-Überblick.
Sprache in Norwegen: Was du als Lerner wissen musst
Hier die wichtigsten Punkte zusammengefasst:
Wenn du Norwegisch lernen willst: Starte mit Bokmål. Das ist der Standard, den alle verstehen. Die besten Einstiegsmöglichkeiten findest du in meinem Vergleich der Norwegisch Onlinekurse oder im Anfängersprachkurs-Überblick.
Wenn du nach Norwegen reist: Mit Englisch kommst du überall durch. Aber selbst ein paar Worte auf Norwegisch – ein „Hei“, ein „Takk“ – öffnen Türen. Mein Reisevokabular mit 75 wichtigen Ausdrücken hilft dir dabei.
Wenn du in Norwegen leben willst: Norwegisch ist Pflicht. Für die Aufenthaltsgenehmigung wird ein Sprachnachweis verlangt, in der Regel über die Norskprøve. Je früher du anfängst, desto besser.
Wer sich unsicher ist, wo er steht, kann mit meinem kostenlosen Einstufungstest sein Niveau prüfen. Und wer wissen will, wie lange es dauert, Norwegisch zu lernen, findet dort eine ehrliche Einschätzung.
Über den Autor: Sven lernt seit 2006 Norwegisch und spricht die Sprache heute fließend. Als Autodidakt hat er den Weg vom kompletten Anfänger zum sicheren Sprachgebrauch selbst beschritten – ohne Auslandsjahr, nur mit Kursen, Büchern und Durchhaltevermögen. Sein Buch „Norwegisch Grundwortschatz“ wurde Amazon-Bestseller Nr. 1. Auf Norwegisch-lernen.info teilt er, was in vielen Jahren wirklich funktioniert hat. Mehr über Sven
