Die Sprache in Norwegen ist Norwegisch. Klingt einfach, ist es aber nur zur Hälfte: Es gibt zwei offizielle Schriftformen, Hunderte Dialekte, mehrere anerkannte Minderheitensprachen und ein Land, in dem fast jeder fließend Englisch spricht. Hier erfährst du, was davon für deine Reise oder deinen Sprachkurs wirklich zählt.
Kurz & knapp: Die Sprache in Norwegen
In Norwegen spricht man Norwegisch, die Muttersprache von rund fünf Millionen Menschen. Geschrieben wird es in zwei gleichberechtigten Formen: Bokmål (ca. 85 bis 90 % der Bevölkerung) und Nynorsk. Laut Sprachgesetz sind außerdem die samischen Sprachen und die norwegische Gebärdensprache dem Norwegischen gleichgestellt, Kvenisch, Romani und Romanes sind anerkannte Minderheitensprachen. Mit Englisch kommst du fast überall durch, mit Deutsch eher selten. Im Alltag spricht jeder Norweger seinen regionalen Dialekt.
Amtssprache in Norwegen: Norwegisch und wer noch offiziell ist
Die Amtssprache Norwegens ist Norwegisch. Soweit wenig überraschend. Was viele aber nicht wissen: Es gibt nicht „das eine“ Norwegisch, sondern zwei offizielle Schriftsprachen, Bokmål und Nynorsk. Beide sind gleichberechtigt, werden in der Schule gelehrt und tauchen auf Straßenschildern, in Behördenbriefen und in den Medien auf.
Seit 2022 regelt das norwegische Sprachgesetz (språklova) zum ersten Mal in einem einzigen Gesetz, welche Sprache welchen Status hat. Norwegisch ist die Hauptsprache des Landes. Die samischen Sprachen gelten als indigene Sprachen und sind dem Norwegischen gleichgestellt, genauso wie die norwegische Gebärdensprache. Dazu kommen drei nationale Minderheitensprachen.
| Sprache | Status in Norwegen | Wo sie dir begegnet |
|---|---|---|
| Norwegisch (Bokmål, Nynorsk) | Hauptsprache, Amtssprache | im ganzen Land |
| Samisch (Nord-, Lule-, Südsamisch) | indigene Sprache, dem Norwegischen gleichgestellt | Nordnorwegen, Trøndelag |
| Norwegische Gebärdensprache | dem Norwegischen gleichgestellt | landesweit |
| Kvenisch | nationale Minderheitensprache | Troms und Finnmark |
| Romani, Romanes | nationale Minderheitensprachen | im Alltag kaum sichtbar |
Als ich 2006 anfing, Norwegisch zu lernen, war mir der Unterschied zwischen den beiden Schriftformen zunächst gar nicht bewusst. Im Kurs lernten wir Bokmål, und erst bei meinen ersten Recherchen auf norwegischen Webseiten stolperte ich über Texte, die irgendwie anders aussahen: Das war Nynorsk. Für den Einstieg reicht es, eine der beiden Varianten zu lernen. Die meisten Kurse und Lehrbücher setzen auf Bokmål.
Wie heißt Norwegen auf Norwegisch?
Auf Bokmål heißt das Land Norge, auf Nynorsk Noreg. Auf Nordsamisch sagt man Norga, auf Kvenisch Norja. Die Sprache selbst heißt norsk, der Norweger nordmann. In Behördentexten auf Nynorsk steht deshalb „Noreg“, in solchen auf Bokmål „Norge“.
Bokmål und Nynorsk: Zwei Schriftsprachen, ein Land
Bokmål: Die verbreitetere Variante
Bokmål (wörtlich: „Buchsprache“) wird von etwa 85 bis 90 % der norwegischen Bevölkerung als Schriftsprache verwendet. Es hat seine Wurzeln in der dänischen Schriftsprache, die während der über 400 Jahre dauernden Union mit Dänemark (1380 bis 1814) in Norwegen dominierte. Nach der Trennung von Dänemark 1814 wurde das Dänische schrittweise an die norwegische Aussprache angepasst. Daraus entstand Bokmål.
Bokmål ist die Schriftsprache, die du in den meisten Norwegisch-Onlinekursen und Norwegisch-Apps lernst. Auch große Zeitungen wie VG und Dagbladet verwenden überwiegend Bokmål, der staatliche Rundfunk NRK ebenfalls, wobei NRK gesetzlich einen Mindestanteil an Nynorsk senden muss.
Nynorsk: Die sprachliche Alternative
Nynorsk (wörtlich: „Neunorwegisch“) geht auf den Sprachforscher Ivar Aasen zurück. Er reiste Mitte des 19. Jahrhunderts durch das Land, sammelte ländliche Dialekte, vor allem aus West- und Mittelnorwegen, und formte daraus eine eigenständige Schriftsprache als Gegenentwurf zum dänisch geprägten Schriftbild. Den Namen Nynorsk trägt sie seit 1929.
Heute nutzen etwa 10 bis 15 % der Bevölkerung Nynorsk als Hauptschriftsprache, vor allem in Westnorwegen. Alle norwegischen Schüler müssen im Laufe ihrer Schulzeit beide Schriftsprachen lernen. Das sorgt regelmäßig für hitzige Debatten.
Der praktische Unterschied für Lerner
Für dich als Lerner ist die Antwort klar: Starte mit Bokmål. Die überwiegende Mehrheit der Lernmaterialien, Kurse und Medien basiert darauf. Ob du Babbel, Sprachenlernen24 oder einen Anfängersprachkurs wählst: Du lernst Bokmål.
Nynorsk zu verstehen kommt mit der Zeit, wenn du dich mit der Geschichte der norwegischen Sprache und den Dialekten beschäftigst. Aktiv beherrschen musst du es als Ausländer nicht.
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Norwegische Dialekte: Vielfalt im Alltag
Was Norwegen sprachlich besonders macht, sind die Dialekte. Anders als in Deutschland oder Frankreich, wo Dialekte oft als informell gelten, spricht in Norwegen jeder seinen Dialekt: im Alltag, bei der Arbeit, in den Medien und sogar im Parlament. Eine verpflichtende „Hochsprache“ für das gesprochene Norwegisch gibt es nicht.
Das hat Konsequenzen für Lerner: Das Norwegisch, das du im Kurs lernst, klingt anders als das, was dir ein Bergenser oder Tromsøer auf der Straße entgegnet. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man sich daran gewöhnt. Man muss nur wissen, dass es diese Unterschiede gibt, sonst zweifelt man schnell an sich selbst.
Einen ausführlichen Überblick über die vier Hauptdialektgruppen (Østnorsk, Vestnorsk, Trøndersk, Nordnorsk) mit Vergleichstabelle und praktischen Tipps findest du in meinem Artikel über norwegische Dialekte.
Wie groß der Unterschied zwischen geschriebenem und gesprochenem Norwegisch tatsächlich sein kann, erkläre ich im Detail im Artikel Gesprochenes vs. geschriebenes Norwegisch.
Samisch und andere Minderheitensprachen
Neben Norwegisch gibt es in Norwegen mehrere offiziell anerkannte Sprachen:
Samisch (Sámegiella): Die samischen Sprachen werden von den Samen gesprochen, dem indigenen Volk Nordskandinaviens. In Norwegen sind vor allem Nordsamisch, Lulesamisch und Südsamisch verbreitet. In den Kommunen des samischen Sprachgebiets, vor allem in Nordnorwegen und Trøndelag, haben Bürger das Recht, Samisch im Kontakt mit Behörden zu verwenden. Orts- und Straßenschilder sind dort zweisprachig.
Kvenisch: Die Sprache der Kvenen, einer finnischstämmigen Minderheit in Nordnorwegen, ist seit 2005 als eigenständige Sprache anerkannt. Sie wird heute nur noch von wenigen Tausend Menschen gesprochen.
Romani und Romanes: Auch diese Sprachen der Reisenden (tatere) und der Roma sind als Minderheitensprachen anerkannt, spielen aber im öffentlichen Leben kaum eine Rolle.
Norwegische Gebärdensprache (norsk teiknspråk): Sie ist seit dem Sprachgesetz von 2022 dem Norwegischen ausdrücklich gleichgestellt. Viele übersehen sie, wenn es um die Sprachen Norwegens geht.
Für den norwegischen Sprachraum insgesamt sind diese Sprachen kulturell bedeutend. Für Norwegisch-Lerner sind sie nicht direkt relevant, aber wer in den Norden reist, sollte wissen, warum dort plötzlich zwei Namen auf jedem Ortsschild stehen.
Mit welchen Sprachen ist Norwegisch verwandt?
Norwegisch gehört zu den nordgermanischen Sprachen und ist damit ein naher Verwandter von Schwedisch und Dänisch, entfernter auch von Isländisch und Färöisch. Norweger, Schweden und Dänen können sich meist ohne Übersetzung unterhalten, jeder in seiner eigenen Sprache. Schwedisch klingt für Norweger dabei vertrauter, Dänisch ist geschrieben fast gleich, gesprochen aber deutlich schwerer zu verstehen.
Als Deutscher hast du ebenfalls einen Vorteil: Viele Wörter kommen dir bekannt vor (hus = Haus, bok = Buch, vinter = Winter), weil beide Sprachen germanisch sind. Wie sich das auf deinen Lernweg auswirkt, liest du in Ist Norwegisch schwer zu lernen?. Wer gleich zwei skandinavische Sprachen im Blick hat, findet Tipps im Artikel Norwegisch und Schwedisch gleichzeitig lernen.
Spricht man in Norwegen Englisch? Kommst du ohne Norwegisch durch?
Kurz: Ja, du kommst in Norwegen mit Englisch sehr weit. Die meisten Norweger sprechen fließend Englisch. Laut dem EF English Proficiency Index gehört Norwegen seit Jahren zu den Ländern mit den besten Englischkenntnissen weltweit. Das liegt auch daran, dass Englisch ab der ersten Klasse unterrichtet wird und Filme und Serien im Fernsehen nicht synchronisiert, sondern untertitelt laufen. Die ganze Geschichte dahinter liest du in Warum sprechen Norweger so gut Englisch? In Oslo, Bergen, Tromsø und in touristischen Gebieten wirst du kaum Sprachbarrieren erleben.
Aber: Wenn du länger in Norwegen lebst, dort arbeiten oder echte Freundschaften aufbauen möchtest, kommst du um Norwegisch nicht herum. Norweger wechseln zwar höflich ins Englische, aber am Kaffeetisch, im Verein oder im Team läuft das Gespräch auf Norwegisch weiter. In meiner eigenen beruflichen Erfahrung hat sich gezeigt, dass erst die norwegische Sprache die Tür zu echtem Verständnis öffnet, fachlich wie menschlich.
Für den Einstieg empfehle ich einen strukturierten Kurs. Einen Überblick über die besten Optionen findest du auf meiner Seite Norwegisch Onlinekurse. Wer lieber mit dem Smartphone lernt, findet passende Optionen im App-Vergleich.
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Spricht man in Norwegen Deutsch?
Nur begrenzt. Deutsch ist in norwegischen Schulen zwar eine beliebte zweite Fremdsprache neben Spanisch und Französisch, doch die meisten Norweger haben es nach der Schule kaum noch benutzt. Ein paar Sätze verstehen viele, ein richtiges Gespräch auf Deutsch ist die Ausnahme.
Anders sieht es in Regionen mit vielen deutschen Urlaubern aus: In manchen Ferienhaus-Vermietungen, auf Campingplätzen oder an Bord von Hurtigruten-Schiffen triffst du häufiger Personal, das Deutsch spricht. Verlassen solltest du dich darauf nicht. Englisch ist die sichere Wahl, und ein paar Worte Norwegisch kommen noch besser an.
Welche Sprache spricht man in Oslo?
In Oslo wird Østnorsk gesprochen, die Dialektgruppe, die am nächsten an Bokmål liegt. Für Norwegisch-Lerner ist das ein Vorteil: Was du im Kurs lernst, wirst du in Oslo am besten verstehen.
Allerdings hat Oslo als Hauptstadt auch seine Eigenheiten. Besonders bei jüngeren Sprechern verschmelzen der „kj“-Laut und der „skj“-Laut zunehmend, ein Phänomen, das ältere Norweger regelmäßig beklagen. Für Lerner bedeutet das: Selbst in Oslo klingt Norwegisch nicht immer wie im Lehrbuch.
Wer einen Städtetrip plant, findet praktische Tipps in meinem Artikel Oslo: Die perfekte Vorbereitung auf einen Städtetrip. Grundlegende Reisevokabeln helfen dir, auch ohne Kurs zurechtzukommen.
Welche Sprache spricht man auf den Lofoten?
Auf den Lofoten wird Nordnorsk gesprochen, ein Dialekt, der sich deutlich von der Standardsprache unterscheidet. Viele Wörter verlieren ihre Endung (kast statt kaste), „ich“ heißt oft „æ“ statt „jeg“, und die Satzmelodie klingt für Oslo-trainierte Ohren ungewohnt.
Für Touristen ist das kein Problem: In den touristischen Gebieten der Lofoten spricht jeder Englisch. Wenn du dich aber mit Einheimischen abseits der Touristenpfade unterhalten möchtest, hilft ein Grundverständnis der nordnorwegischen Besonderheiten. Wie Nordnorsk klingt und woran du es erkennst, zeige ich dir im Artikel über den Dialekt auf den Lofoten und in Nordnorwegen.
Sprache in Norwegen: Was du als Lerner wissen musst
Hier die wichtigsten Punkte zusammengefasst:
Wenn du Norwegisch lernen willst: Starte mit Bokmål. Das ist der Standard, den alle verstehen. Die besten Einstiegsmöglichkeiten findest du in meinem Vergleich der Norwegisch Onlinekurse oder im Anfängersprachkurs-Überblick. Alles rund um Grammatik, Aussprache und Wortschatz bündle ich auf der Seite Norwegische Sprache.
Wenn du nach Norwegen reist: Mit Englisch kommst du überall durch. Aber selbst ein paar Worte auf Norwegisch, ein „Hei“ oder ein „Takk“, öffnen Türen. Mein Reisevokabular mit 75 wichtigen Ausdrücken hilft dir dabei.
Wenn du in Norwegen leben willst: Als EU- oder EWR-Bürger brauchst du für das Auswandern nach Norwegen keinen Sprachnachweis. Im Job und im Alltag ist Norwegisch trotzdem Pflicht, wenn du wirklich ankommen willst. Wer später einen Daueraufenthalt als Nicht-EU-Bürger oder die norwegische Staatsbürgerschaft anstrebt, muss Norwegischkenntnisse offiziell nachweisen, in der Regel über die Norskprøve. Je früher du anfängst, desto entspannter wird es.
Wer sich unsicher ist, wo er steht, kann mit meinem kostenlosen Einstufungstest sein Niveau prüfen. Und wer wissen will, wie lange es dauert, Norwegisch zu lernen, findet dort eine ehrliche Einschätzung.
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Häufige Fragen zur Sprache in Norwegen
Welche Sprache spricht man in Norwegen?
In Norwegen spricht man Norwegisch. Es wird in zwei offiziellen Schriftformen geschrieben, Bokmål und Nynorsk, gesprochen wird im Alltag der jeweilige regionale Dialekt. Daneben gibt es Samisch als indigene Sprache sowie mehrere anerkannte Minderheitensprachen.
Was ist die Amtssprache in Norwegen?
Amtssprache ist Norwegisch in den beiden Schriftformen Bokmål und Nynorsk. Laut Sprachgesetz von 2022 sind die samischen Sprachen und die norwegische Gebärdensprache dem Norwegischen gleichgestellt. In den Kommunen des samischen Sprachgebiets ist Samisch zusätzlich Verwaltungssprache.
Spricht man in Norwegen Englisch?
Ja, sehr gut und fast überall. Norwegen gehört regelmäßig zu den Ländern mit den besten Englischkenntnissen weltweit. Als Tourist kommst du ohne Norwegisch problemlos zurecht.
Spricht man in Norwegen Deutsch?
Nur vereinzelt. Deutsch wird in der Schule als Fremdsprache angeboten, im Alltag sprechen es aber nur wenige Norweger sicher. In Urlaubsregionen mit vielen deutschen Gästen klappt es manchmal, Englisch ist die verlässlichere Wahl.
Wie heißt Norwegen auf Norwegisch?
Auf Bokmål heißt Norwegen „Norge“, auf Nynorsk „Noreg“. Die Sprache heißt „norsk“.
Wie viele Menschen sprechen Norwegisch?
Norwegisch ist die Muttersprache von rund fünf Millionen Menschen, fast alle davon leben in Norwegen. Dazu kommen Lerner im Ausland und Schweden und Dänen, die Norwegisch dank der engen Verwandtschaft gut verstehen.
Über den Autor
Hei, ich bin Sven. Seit 2006 lerne ich Norwegisch, anfangs aus beruflicher Notwendigkeit, heute aus Leidenschaft: über zwei Jahre VHS bis B1, parallel ein Firmenkurs, später ein Intensivkurs in Oslo und viele Jahre Vokabeltraining mit Sprachenlernen24. Dazu spreche ich Schwedisch und Dänisch auf Konversationsniveau. Mit über 20 Jahren Erfahrung rund ums Sprachenlernen habe ich unter anderem das Buch „Norwegisch Grundwortschatz“ geschrieben, das zum Amazon-Bestseller Nr. 1 in „Norwegisch lernen“ wurde. Hier teile ich, was beim Lernen wirklich funktioniert. Mehr über mich erfährst du hier.