Gastartikel** von Werner Skalla
Norwegisch lernen ist gar nicht so schwer, schließlich sind sowohl Norwegisch als auch Deutsch germanische Sprachen, gehören also zur gleichen Sprachfamilie. Aber auf den zweiten Blick gibt es doch die eine oder andere Herausforderung, die ich in diesem Artikel gerne beleuchten möchte. Ich konzentriere mich auf diejenigen Probleme, vor denen meiner Erfahrung als Norwegischlehrer nach vor allem Deutsche stehen.
Kurz beantwortet: Ist Norwegisch schwer zu lernen? Nein, für Deutsche gehört Norwegisch zu den leichtesten Fremdsprachen. Der Wortschatz ist verwandt, Verben ändern sich nicht nach der Person, Fälle gibt es praktisch keine und der Satzbau ähnelt dem Deutschen. Stolperfallen sind vor allem die Aussprache, das Geschlecht der Substantive, falsche Freunde und das ungewohnte Duzen.
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Ist Norwegisch eine schwere Sprache? Die kurze Antwort
Das Foreign Service Institute (FSI) des US-Außenministeriums, das seit Jahrzehnten Diplomaten in Fremdsprachen ausbildet, stuft Norwegisch in die leichteste von vier Schwierigkeitskategorien ein. Das gilt schon für englische Muttersprachler. Wer als Deutscher Norwegisch lernt, hat bei Grammatik und Wortschatz oft sogar noch einen Vorsprung:
- Vertrauter Wortschatz: hus (Haus), bok (Buch), vinter (Winter). Viele Wörter versteht man beim ersten Lesen.
- Verben ohne Personalendungen: jeg er, du er, vi er. Eine Form für alle Personen.
- Praktisch keine Fälle: kein Dativ, kein Akkusativ bei den Substantiven.
- Bekannter Satzbau: Das Verb steht im Hauptsatz an zweiter Stelle, wie im Deutschen: I dag spiser vi fisk (Heute essen wir Fisch).
Wie schwer ist Norwegisch im Vergleich?
Einschätzung für Deutschsprachige: je länger der Balken, desto leichter. Gramm. = Grammatik, Laute = Aussprache.
| Sprache | Gramm. | Wörter | Laute | Schrift |
|---|---|---|---|---|
| Norwegisch |
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| Schwedisch |
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| Dänisch |
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| Niederl. |
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| Französ. |
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Einschätzung von Sven aus eigener Lernerfahrung mit Norwegisch, Schwedisch und Dänisch, keine wissenschaftliche Messung. Norwegisch punktet bei der Grammatik, Dänisch verliert klar bei der Aussprache.
Wo es trotzdem hakt, erklärt Werner Skalla im Folgenden aus seiner Praxis als Norwegischlehrer.
Die verflixte norwegische Aussprache
Zunächst einmal: Norwegisch hat im Wesentlichen die gleichen Laute wie das Deutsche, aber gerade die Vokale existieren zum Teil in dieser Form in unserer Sprache nicht. Dazu zählen das Y (ein I mit nach außen gestülpten Lippen), das Æ (eben kein deutsches Ä, sondern eher ein englisches A) sowie das AU (eine Kombination aus Æ und deutschem Ü).
Dein deutscher Akzent verrät dich außerdem am häufigsten dann, wenn du das -ER am Ende eines Wortes „vokalisierst“. Das ist eine Spezialität des Deutschen, die uns oft gar nicht bewusst ist: in dem Wort „Vater“ sprechen wir weder ein E noch ein R. Stattdessen verschmilzt die Kombination ER zu einem unbestimmten Vokal, der von Linguisten manchmal als ɐ geschrieben wird, also Vatɐ.
Wenn du aber nun zum Beispiel das norwegische Wort lærer wie lærɐ aussprichst (also ohne das R am Ende, stattdessen mit ɐ), dann outest du dich eindeutig als Deutsche(r). Es ist in der Theorie ganz einfach, in der Praxis erfordert es aber etwas Disziplin: jedes norwegische R muss gesprochen werden, auch und gerade am Ende eines Wortes.
Noch eine deutsche Besonderheit legen wir schwer ab: die sogenannte Auslautverhärtung. Dieses merkwürdige Phänomen führt dazu, dass Wörter mit einem weichen Konsonanten am Ende plötzlich hart ausgesprochen werden. Wir schreiben also „Zug“, sagen aber „Zuk“. Auf Norwegisch machen wir das nicht: tog bleibt tog (oder genauer gesagt tåg), aber auf keinen Fall tok oder tåk. Wenn wir Norwegisch lernen, müssen wir uns also auch daran gewöhnen, dass ein Wort mit einem weichen Konsonanten enden kann.
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Jedes norwegische Substantiv hat ein Geschlecht, aber welches?
Was die norwegische Grammatik betrifft, so sind die Übereinstimmungen zwischen Deutsch und Norwegisch doch sehr groß. Schwierigkeiten bereiten deutschen Muttersprachlern oft die grammatischen Geschlechter : Wir sind sie zwar aus unserer eigenen Sprache gewohnt, ganz anders als z. B. englische Muttersprachler. Aber die Krux ist, dass die Geschlechter keineswegs die gleichen sein müssen wie im Deutschen (ein Kurs ist zum Beispiel auf Norwegisch sächlich, auf Deutsch männlich). Da hilft leider nur: auswendig lernen.
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Falsche Freunde
Gerade weil die Wörter im Norwegischen und Deutschen oft so ähnlich sind, übersehen wir leicht, dass gleich klingende Wörter andere Bedeutungen haben können. Wenn wir irritiert sind, sprechen wir von Verwirrung, in Norwegen ist man aber verärgert, wenn man irritert ist. Wenn wir etwas tun sollen, ist das eine Empfehlung. Wer in Norwegen etwas skal, der wird es tun (oder muss es tun, je nach Zusammenhang). „Auch nicht“ bedeutet auf Norwegisch ikke heller, das Wort også (auch) hat da nichts verloren. Eine butikk kann durchaus Gemüse verkaufen, es handelt sich ganz allgemein um ein Geschäft.
Duzen und Siezen
In der Praxis gibt es im modernen Norwegen nur noch das du (bitte wie deutsch „dü“ aussprechen, sonst bedeutet es nämlich „Klo“). Aber manchmal trifft man es dann eben doch, das altmodische De (ausgesprochen wie deutsch „die“). Mir ist es zum ersten Mal begegnet, als mir die Polizei geschrieben hat, ich könne meine Aufenthaltskarte abholen. Romane aus der Zeit vor 1960 sind sowieso voller De. Was also tun? Auch wenn es sich für Deutsche, die gerade anfangen mit dem Norwegisch lernen, ein wenig so anfühlen mag wie nackt durch den Park zu laufen, kann man heutzutage in Norwegen tatsächlich alles und jeden bis hinauf zur Ministerpräsidentin duzen. Und wer doch einmal in die Verlegenheit kommt, zur norwegischen Königsfamilie ins Schloss in Oslo eingeladen zu sein: Zum König und seiner Frau sagt man Deres Majestet, zu den anderen Mitgliedern der königlichen Familie Deres Kongelige Høyhet.
Norwegisch lernen als Deutscher: Wie lange dauert es?
Weil Norwegisch für Deutsche leicht ist, geht es schnell voran. Mit 30 Minuten am Tag ist A1 nach etwa vier Monaten erreicht und B1 nach rund 20 Monaten, mit einer Stunde täglich doppelt so schnell. Einen Zeitplan für jedes Niveau und einen Rechner gibt es im Beitrag Wie lange dauert es, Norwegisch zu lernen? Den eigenen Stand zeigt der kostenlose Norwegisch-Einstufungstest. Wer tiefer in die Sprache einsteigen will, von Bokmål bis zu den Dialekten, findet alles im Überblick zur norwegischen Sprache. Die Laute, an denen Deutsche am häufigsten hängen bleiben, findest du mit allen Regeln im Artikel zur norwegischen Aussprache. Und welche Sprachen in Norwegen offiziell sind, von Samisch bis zur Gebärdensprache, erfährst du im eigenen Überblick dazu.
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Häufige Fragen: Ist Norwegisch schwer?
Ist Norwegisch für Deutsche schwer zu lernen?
Nein. Norwegisch gehört für Deutsche zu den leichtesten Fremdsprachen: verwandter Wortschatz, Verben ohne Personalendungen, praktisch keine Fälle und ein ähnlicher Satzbau. Schwierig sind vor allem Aussprache, das Geschlecht der Substantive und falsche Freunde.
Ist Norwegisch leicht zu lernen?
Für Deutschsprachige ja, zumindest der Einstieg. Einfache Gespräche gelingen schon nach wenigen Monaten. Länger dauert es, Norweger im echten Tempo und im Dialekt zu verstehen.
Ist Norwegisch leichter als Schwedisch?
Für Deutsche gilt Norwegisch als minimal leichter, vor allem wegen der weniger ausgeprägten Sprachmelodie. Beide Sprachen liegen aber sehr nah beieinander. Den direkten Vergleich gibt es im Beitrag Norwegisch und Schwedisch.
Ist Norwegisch schwerer als Englisch?
Nicht wirklich. Die Grammatik ist einfacher als die englische, und die Schreibung ist deutlich regelmäßiger. Englisch hat nur den Vorteil, dass man es seit der Schule überall hört.
Kann man Norwegisch auch mit 50 oder 60 noch lernen?
Ja. Erwachsene lernen anders als Kinder, aber nicht schlechter. Sie profitieren von Lernstrategien, Disziplin und ihrer Erfahrung mit dem Deutschen. Entscheidend ist, regelmäßig zu üben.
**Dies ist ein Gastartikel von Werner Skalla.
Über den Autor
Werner Skalla ist der Verfasser des Online-Norwegischkurses Nils* und des gleichnamigen Lehrbuchs Nils, Norwegisch lernen mit einer spannenden Geschichte. Damit kann man Norwegisch lernen mit einer spannenden Geschichte anstatt mit langweiligen Dialogen. Er ist außerdem Gründer der Online-Sprachschule Skapago.