Deutsch als Fremdsprache in norwegischen Schulen: Status, Herausforderungen und Zukunft

Deutsch als Fremdsprache in norwegischen Schulen - Status Herausforderungen und Zukunft

Deutsch hat in Norwegen eine lange Tradition als Fremdsprache. Doch während früher viele norwegische Schüler Deutsch lernten, hat sich das Bild in den letzten Jahren deutlich verändert. In diesem Artikel erfährst du, wie es um den Deutschunterricht in norwegischen Schulen bestellt ist, welche Herausforderungen es gibt und wie die Zukunft aussehen könnte.

Der aktuelle Status: Deutsch auf Platz 2 – aber mit sinkenden Zahlen

Aktuell lernen etwa 79.000 Schüler in Norwegen Deutsch als Fremdsprache. Das klingt zunächst nach einer beachtlichen Zahl, doch der Trend zeigt nach unten. Unter den zweiten Fremdsprachen belegt Deutsch derzeit den zweiten Platz nach Spanisch, das mit 52 Prozent Anteil (Stand 2022) deutlich beliebter ist. Der Anteil der Deutschlerner ist im Zeitraum von 2016 bis 2022 um 8 Prozentpunkte auf 31 Prozent gesunken.

Zum Vergleich: Bis etwa 1950 war Deutsch die erste Fremdsprache in Norwegen und spielte eine ähnlich wichtige Rolle wie heute Englisch. Diese historische Bedeutung zeigt sich noch heute in den engen wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Norwegen.

Wann lernen norwegische Schüler Deutsch?

Im norwegischen Schulsystem haben Schüler ab der 8. Klasse die Möglichkeit, eine zweite Fremdsprache zu wählen. Zur Auswahl stehen typischerweise Deutsch, Französisch und Spanisch. Alternativ können sie auch ein praktisches Wahlfach (arbeidslivsfag) belegen oder zusätzlichen Englischunterricht nehmen.

Wer in der 8. Klasse keine Fremdsprache gewählt hat, kann auch noch in der 11. Klasse beim Eintritt in die weiterführende Schule (videregående skole) zu Deutsch wechseln. Diese Flexibilität bietet Schülern eine zweite Chance, sich für die deutsche Sprache zu entscheiden.

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Unterrichtsmethoden und Kompetenzziele

Der norwegische Deutschunterricht folgt dem Lehrplan „Kunnskapsløftet“ (K06), der seit 2006 gilt. Dieser Lehrplan legt großen Wert auf kulturelle Kompetenz und Kulturverständnis. Schüler sollen nicht nur die Sprache lernen, sondern auch die deutschsprachige Kultur verstehen – ähnlich wie beim Norwegischlernen mit Bokmål, wo auch kulturelle Aspekte eine wichtige Rolle spielen.

Die Kompetenzziele orientieren sich am Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GER). Norwegische Deutschlerner streben ähnliche Sprachniveaus an wie Deutschlerner in anderen Ländern. Das bedeutet, dass sie im Laufe ihrer Schulzeit verschiedene kommunikative Fähigkeiten entwickeln müssen – vom Hörverstehen über das Sprechen bis hin zu schriftlichen Kompetenzen wie dem Brief schreiben B2, das für das Erreichen mittlerer Sprachniveaus wichtig ist.

Moderne Unterrichtsmethoden in Norwegen setzen zunehmend auf digitale Tools. Norwegische Schulen haben einen hohen Digitalisierungsgrad, und im Deutschunterricht werden häufig Apps, Online-Plattformen und multimediale Materialien eingesetzt – ähnlich den modernen Norwegisch Onlinekursen, die ebenfalls auf digitale Lernmethoden setzen.

Warum Deutschland für norwegische Schüler wichtig ist

Trotz sinkender Zahlen gibt es gute Gründe, warum Deutsch für norwegische Schüler wertvoll bleibt:

Wirtschaftliche Bedeutung: Deutschland ist Norwegens wichtigster Handelspartner. Viele norwegische Unternehmen haben Geschäftsbeziehungen mit deutschen Firmen, und Deutschkenntnisse können im Berufsleben ein klarer Vorteil sein. Unternehmen wie YARA International betonen, dass eine zweite Sprache wie Deutsch den Marktwert von Bewerbern erhöht.

Bildungschancen: Deutsche Universitäten sind für norwegische Studenten attraktiv. Die vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten in Deutschland, von Ingenieurwissenschaften bis Medizin, ziehen jährlich viele norwegische Studierende an.

Kulturelle Nähe: Als germanische Sprachen sind Deutsch und Norwegisch verwandt. Viele Wörter ähneln sich, und etwa 30 Prozent des norwegischen Wortschatzes haben niederdeutsche Wurzeln – ein Erbe der Hansezeit, als Niederdeutsch die Handelssprache in Skandinavien war. Diese Verwandtschaft macht es übrigens auch für Deutsche relativ einfach, Norwegisch zu lernen.

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Die größten Herausforderungen für den Deutschunterricht

1. Spanisch ist „in“ – Deutsch wirkt altmodisch

Spanisch gilt bei norwegischen Jugendlichen als attraktive Weltsprache. Es wird mit Urlaub, Sonne und einem lockeren Lebensstil assoziiert. Deutsch hingegen hat bei vielen jungen Norwegern ein Image-Problem: Die Sprache gilt als schwierig, die Grammatik als komplex und die Aussprache als herausfordernd. Interessanterweise empfinden viele Deutsche die norwegische Grammatik als deutlich einfacher als die deutsche.

2. Englisch dominiert alles

Norwegen liegt im EF English Proficiency Index auf Platz 4 von 111 Ländern. Viele norwegische Schüler beherrschen Englisch bereits in der 5. Klasse fließend. Da Englisch in den meisten Bereichen als Lingua Franca ausreicht, sinkt die Motivation, eine weitere anspruchsvolle Sprache wie Deutsch zu lernen.

3. Lehrermangel und sinkende Schülerzahlen

Steinar Nybøle, Leiter des Nationalen Zentrums für Englisch und Fremdsprachen im Unterricht, bezeichnet die Situation als „dramatisch“. Ein Hauptproblem: Immer weniger Schüler wählen in der Grundschule eine Fremdsprache, was sich dann in der Oberstufe fortsetzt. Gleichzeitig mangelt es an qualifizierten Deutschlehrern.

4. Auswirkungen der Pandemie

Die Corona-Pandemie hat Klassenfahrten ins Ausland und Austauschprogramme stark eingeschränkt. Diese Erlebnisse sind oft ein wichtiger Motivationsfaktor für Schüler, eine Fremdsprache zu lernen. Der Wegfall dieser Erfahrungen hat die Beliebtheit von Fremdsprachen weiter sinken lassen.

Initiativen zur Förderung des Deutschunterrichts

Verschiedene Organisationen arbeiten daran, Deutsch in Norwegen attraktiver zu machen:

Goethe-Institut Norwegen: Das Goethe-Institut bietet Fortbildungen für Deutschlehrer an, unterstützt Schulen mit modernen Lernmaterialien und organisiert kulturelle Veranstaltungen. Zudem betreut es PASCH-Partnerschulen, darunter die Weiterführende Schule Bodø. Für Norwegisch-Lernende gibt es übrigens auch viele nützliche Links rund um die norwegische Sprache.

SCHULWÄRTS!-Programm: Dieses Programm ermöglicht deutschen Lehramtsstudenten, Praktika an norwegischen Schulen zu absolvieren. Der Austausch bringt frische Ideen in den Unterricht und stärkt die Verbindung zwischen beiden Ländern.

Karrieretag „Gjør karriere med Tyskland“: Die Norwegisch-Deutsche Willy Brandt Stiftung, das Goethe-Institut und der norwegische Deutschlehrerverband Norsk Tyskforum organisieren regelmäßig Karrieretage, um Schülern die beruflichen Vorteile von Deutschkenntnissen zu zeigen. Unternehmen wie YARA International und die AHK Norwegen unterstützen diese Initiative.

Die Zukunft: Hoffnung trotz Herausforderungen

Wie wird sich der Deutschunterricht in Norwegen entwickeln? Hier sind einige Prognosen und Hoffnungsschimmer:

Wirtschaftliche Notwendigkeit wird erkannt

Mit dem wachsenden Bewusstsein für die wirtschaftliche Bedeutung Deutschlands könnte Deutsch wieder an Attraktivität gewinnen. Besonders in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen sind deutsche Unternehmen stark vertreten, und Norwegens Energiewende erfordert verstärkte Zusammenarbeit mit Deutschland.

Digitalisierung als Chance

Moderne Lern-Apps, VR-Erlebnisse und interaktive Plattformen können den Deutschunterricht spannender machen. Norwegische Schulen sind technisch gut ausgestattet, sodass innovative Unterrichtsformen möglich sind.

Fokus auf praktische Anwendung

Wenn Schulen stärker vermitteln, dass Deutsch konkrete Vorteile bringt – etwa für Auslandssemester, Praktika oder internationale Karrieren –, könnte das die Motivation der Schüler steigern.

Stärkung der deutsch-norwegischen Beziehungen

Austauschprogramme, Städtepartnerschaften und kulturelle Events können das Interesse an Deutschland und seiner Sprache wecken. Nach der Pandemie gibt es wieder mehr Möglichkeiten für persönliche Begegnungen.

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Was können deutsche Auswanderer und Norwegisch-Lernende daraus lernen?

Wenn du Norwegisch lernst oder planst, nach Norwegen auszuwandern, sind diese Informationen auch für dich relevant:

Tandempartner finden: Es gibt in Norwegen viele Deutschlerner, die gerne einen Tandempartner hätten. Nutze diese Chance, um Norwegisch zu üben und gleichzeitig jemandem beim Deutschlernen zu helfen. Das ist eine Win-Win-Situation für beide Seiten!

Kultureller Austausch: Verstehe die Perspektive norwegischer Deutschlerner. Das hilft dir, kulturelle Brücken zu bauen und die norwegische Sicht auf Deutschland besser zu verstehen.

Berufliche Chancen: Als deutscher Muttersprachler hast du in Norwegen einen Vorteil, besonders in Branchen mit deutsch-norwegischen Geschäftsbeziehungen.

Fazit: Deutsch in Norwegen – eine Sprache im Wandel

Deutsch als Fremdsprache in norwegischen Schulen steht vor Herausforderungen, ist aber keineswegs am Ende. Die wirtschaftliche Bedeutung Deutschlands, die kulturellen Verbindungen und die Verwandtschaft beider Sprachen sprechen für Deutsch. Gleichzeitig müssen Schulen, Lehrer und Bildungsorganisationen daran arbeiten, die Sprache attraktiver zu machen und den praktischen Nutzen klarer herauszustellen.

Für die Zukunft gilt: Deutsch wird in Norwegen eine wichtige Fremdsprache bleiben – aber nur, wenn es gelingt, die junge Generation zu begeistern und die Sprache modern und relevant zu präsentieren. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, denn Deutschland und Norwegen werden auch in Zukunft eng miteinander verbunden bleiben.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie viele Schüler lernen in Norwegen Deutsch?

Aktuell lernen etwa 79.000 Schüler in Norwegen Deutsch als Fremdsprache. Damit liegt Deutsch auf Platz 2 der beliebtesten zweiten Fremdsprachen nach Spanisch, wobei der Anteil in den letzten Jahren leider rückläufig ist.

Ab welcher Klasse können norwegische Schüler Deutsch lernen?

Norwegische Schüler können ab der 8. Klasse Deutsch als zweite Fremdsprache wählen. Alternativ ist auch ein Einstieg in der 11. Klasse beim Übergang zur weiterführenden Schule (videregående skole) möglich.

Warum ist Spanisch in Norwegen beliebter als Deutsch?

Spanisch gilt bei norwegischen Jugendlichen als moderne Weltsprache und wird mit Urlaub, Sonne und einem lockeren Lebensstil assoziiert. Deutsch hingegen hat ein Image-Problem: Die Sprache gilt als schwierig, die Grammatik als komplex. Zudem beherrschen die meisten Norweger bereits fließend Englisch, wodurch die Motivation für eine weitere anspruchsvolle Sprache sinkt.

Welche Vorteile haben Deutschkenntnisse für Norweger?

Deutschland ist Norwegens wichtigster Handelspartner, weshalb Deutschkenntnisse im Berufsleben einen klaren Vorteil bieten. Besonders in Branchen mit deutsch-norwegischen Geschäftsbeziehungen erhöhen Deutschkenntnisse den Marktwert. Zudem sind deutsche Universitäten für norwegische Studenten attraktiv und bieten vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten.