Norwegische Süßigkeiten waren eines der ersten Themen in meinem Intensivkurs in Oslo. Nicht als Nebensache, sondern als echtes Unterrichtsthema – weil sich kaum etwas besser eignet, um ins Gespräch zu kommen und gleichzeitig etwas über Land und Leute zu lernen. Jeder hatte seine Lieblingssüßigkeit dabei, und plötzlich redete der ganze Kurs über Kindheitserinnerungen, Wandertraditionen und die Frage, warum Kvikk Lunsj besser ist als KitKat.
Als ich später beruflich regelmäßig mit der Color Line von Kiel nach Oslo fuhr, gab es eine ungeschriebene Familienregel: Bamse Mums und eine Freia-Tafel von Bord mitbringen. Kein Verhandlungsspielraum. Irgendwann habe ich aufgehört, das als Pflicht zu sehen – und fing an, die norwegische Süßigkeitenkultur wirklich ernst zu nehmen.
Was ich dabei gelernt habe: Norwegische Süßigkeiten sind mehr als Snacks. Sie sind Gesprächsstoff, Kulturgut und für viele Norweger ein Stück Identität. In diesem Artikel stelle ich dir die 10 bekanntesten vor – mit Geschmack, Geschichte und der Antwort auf die Frage, ob du sie auch in Deutschland bekommst.
Die 10 norwegischen Süßigkeiten auf einen Blick
| Freia Melkesjokolade | Norwegens Nationalschokolade seit 1889 |
| Kvikk Lunsj | Der Wanderriegel – Norwegens Antwort auf KitKat |
| Smash! | Salzige Brezeln in Schokolade – Kult seit 2012 |
| Stratos | Luftschokolade, leicht und zartschmelzend |
| Laban Seigmenn | Norwegens beliebteste Gummifiguren |
| Cloetta Polly | Schokoladendragees mit Lakritzfüllung |
| Bamse Mums | Schaumzucker-Bären mit Schokoladenüberzug |
| Brunost | Süßer Braunkäse – die Grenze zwischen Käse und Süßigkeit |
| Krone-Is | Norwegens Sommer-Eis-Klassiker |
| Ahlgrens Bilar | Schaumzucker-Autos aus Skandinavien |
🇳🇴 „Jeg vil gjerne ha en Bamse Mums“ – so einfach geht’s.
Im norwegischen Supermarkt auf das Regal zeigen funktioniert. Aber wer einfach sagt, was er will – auf Norwegisch – der bekommt mehr als nur die Süßigkeit. Ein Lächeln, eine kurze Unterhaltung, das Gefühl nicht als Tourist, sondern als Gast wahrgenommen zu werden. Dafür gibt es den Norwegisch-Expresskurs: 450 der wichtigsten Urlaubsvokabeln – Supermarkt, Restaurant, Hotel, Orientierung.
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Norwegische Schokolade – die großen Drei
Wenn Norweger über Schokolade reden, fällt fast immer derselbe Name: Freia. Die Marke dominiert den norwegischen Markt so stark, dass „Freia“ und „Schokolade“ für viele Norweger fast Synonyme sind.
Freia Melkesjokolade
Freia Melkesjokolade ist Norwegens meistverkaufte Schokolade – und das seit 1889. Die lila Verpackung mit dem Schriftzug ist in jedem norwegischen Supermarkt zu finden und gehört zu Weihnachten in Norwegen wie der Tannenbaum.
Geschmacklich ist sie eine cremige Vollmilchschokolade mit einem etwas höheren Milchanteil als die meisten deutschen Schokoladen. Nicht übermäßig süß, aber deutlich milder als etwa eine Lindt-Tafel. Im Intensivkurs in Oslo war die Freia-Tafel das erste, was auf den Tisch kam – und der Kursleiter erzählte, dass viele Norweger im Ausland als Erstes Freia-Schokolade vermissen.
Wer mit der Color Line von Kiel nach Oslo fährt, kennt diesen Moment: Der Bordshop öffnet, und die Freia-Tafel liegt gleich vorne im Regal – nicht als Touristenattraktion, sondern weil Norweger auf dem Heimweg genau das kaufen. Ich habe diese Situation oft erlebt: Freia ist kein Produkt, das man kauft, weil man Schokolade braucht. Man kauft sie, weil man zu Hause ist.
Freia Schokolade kaufen in Deutschland? Ja, über Amazon und in skandinavischen Spezialgeschäften. Auch einzelne REWE-Filialen mit gut sortiertem Skandinavien-Regal führen sie gelegentlich. Der Preis liegt allerdings deutlich über dem norwegischen Ladenpreis – rechne mit dem Zwei- bis Dreifachen.
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Kvikk Lunsj – das norwegische KitKat
Kvikk Lunsj (wörtlich: „schnelles Mittagessen“) ist ein Waffelriegel in Milchschokolade, der seit 1937 produziert wird. In Deutschland wird er oft als „norwegisches KitKat“ gesucht – was Norweger innerlich schmunzeln lässt: Aus ihrer Sicht ist es eher umgekehrt, denn Kvikk Lunsj kam zeitgleich mit KitKat auf den Markt, und wer das Original ist, wird in Norwegen gerne diskutiert.
Was Kvikk Lunsj besonders macht: Er gehört zur norwegischen Wanderkultur wie der Rucksack. Auf der Rückseite jeder Verpackung ist eine Wanderroute abgedruckt – eine Tradition, die seit den 1960er Jahren besteht. Wenn Norweger am Wochenende in die Natur gehen, ist Kvikk Lunsj fast immer dabei. Der Begriff kvikklunsj-pause ist im Norwegischen ein stehender Ausdruck.
Im Vergleich zu KitKat ist die Waffel etwas dicker und die Schokolade cremiger. Die meisten meiner Kursteilnehmer fanden Kvikk Lunsj besser – was bei KitKat-Fans durchaus zu lebhaften Diskussionen führte.
In Deutschland erhältlich? Schwierig. Einzeln kaum zu finden, am ehesten über norwegische Online-Shops oder als Import bei Amazon.
Stratos – die Luftschokolade
Stratos ist Norwegens Antwort auf Aero oder Bubbly: eine Milchschokolade voller kleiner Luftblasen, die auf der Zunge zart schmilzt. Die Textur ist das Besondere – leichter als normale Schokolade, fast schaumig. In Norwegen hat Stratos eine treue Fangemeinde, auch wenn sie neben der übermächtigen Freia eher ein Nischenprodukt ist.
In Deutschland erhältlich? Nur über Importwege. In skandinavischen Läden findet man sie gelegentlich.
Beliebte norwegische Süßigkeiten – von salzig bis süß
Smash! – Brezeln in Schokolade
Smash! ist das, was passiert, wenn jemand salzige Brezeln in Milchschokolade taucht – und es funktioniert. Die Kombination klingt ungewöhnlich, ist aber so beliebt, dass Smash! in Umfragen regelmäßig zu Norwegens beliebtester Süßigkeit gewählt wird.
Die einzelnen Stücke sind klein, unregelmäßig geformt und machen süchtig – eine Tüte ist schneller leer als man denkt. Im Kurs war Smash! die Süßigkeit, bei der sich alle einig waren: Die muss man probiert haben.
In Deutschland erhältlich? Ja, über Amazon. Preislich deutlich teurer als in Norwegen, aber einer der wenigen norwegischen Snacks, die man relativ einfach bekommt.
Laban Seigmenn – Norwegens Gummibärchen
Laban Seigmenn (wörtlich: „zähe Männer“) sind weiche, bunte Gummifiguren in Menschenform. Sie sind das norwegische Pendant zu Haribo-Goldbären, aber weicher in der Konsistenz und mit intensiveren Fruchtaromen. In Norwegen sind sie vor allem bei Kindern beliebt, aber auch Erwachsene greifen gerne zu.
Was Deutsche oft überrascht: In Norwegen gibt es den sogenannten lørdagsgodt – die Tradition, dass Süßigkeiten nur am Samstag gekauft und gegessen werden. An den Süßigkeitenregalen im Supermarkt sieht man samstags dementsprechend lange Schlangen.
In Deutschland erhältlich? Kaum. Am ehesten über skandinavische Online-Shops.
Cloetta Polly – Lakritz trifft Schokolade
Polly sind Schokoladendragees mit einer Füllung aus weichem Lakritz – eine Kombination, die die norwegische Vorliebe für Lakritz auf den Punkt bringt. Wer Lakritz mag, wird Polly lieben. Wer Lakritz nicht mag, wird sie nach einem Bissen zur Seite legen.
Norwegisches Lakritz ist generell intensiver als das, was man in Deutschland kennt – oft salziger, oft stärker. Die Auswahl in norwegischen Supermärkten ist riesig: ganze Regalmeter nur Lakritz. Das war für mich als Deutschen einer der auffälligsten Kulturunterschiede im Supermarkt. Aus meiner Erfahrung aus vielen Norwegen-Aufenthalten: Wer Lakritz von zu Hause kennt, ist auf das norwegische Niveau nicht vorbereitet – es ist eine eigene Kategorie.
In Deutschland erhältlich? Ja, über Amazon.
Bamse Mums – Schaumzucker-Bären
Bamse Mums (bamse = Bärchen, mums = lecker) sind mit Schokolade überzogene Schaumzucker-Bären. Innen weich und marshmallow-artig, außen knackige Schokolade. In Norwegen sind sie ein Klassiker auf Kindergeburtstagen und Familienfeiern.
Geschmacklich erinnern sie an deutsche Schaumküsse, nur in Bärenform und mit festerer Schokoladenumhüllung. Als ich sie das erste Mal von Bord mitbrachte, waren sie in meiner Familie innerhalb von zwei Tagen aufgegessen – danach standen sie auf jeder Einkaufsliste für Norwegen-Reisen. Nicht kompliziert, nicht raffiniert – aber genau richtig, wenn man etwas Süßes und Unkompliziertes will.
In Deutschland erhältlich? Schwer zu finden. Gelegentlich bei Amazon oder in Skandinavien-Läden.
Maarud-Chips – wenn es nicht nur süß sein soll
Wer in einem norwegischen Supermarkt nach Snacks schaut, findet neben dem Süßigkeitenregal auch Chips, die in Deutschland kaum bekannt sind. Maarud ist die bekannteste norwegische Chips-Marke – im Besitz von Orkla, dem größten Lebensmittelkonzern Norwegens. Besonders beliebt sind Ost & Løk (Käse-Zwiebel) und Havsalt (Meersalz). Sie gehören nicht zu den klassischen Süßigkeiten, sind aber ein typisches norwegisches Mitbringsel für alle, die keine Schokolade mögen. In Deutschland bekommt man sie vereinzelt über norwegische Online-Shops.
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Norwegische Snacks zum Kaffee
Norwegen ist eines der Länder mit dem höchsten Kaffeekonsum weltweit. Und wo viel Kaffee getrunken wird, braucht man etwas dazu.
Brunost – der süße Braunkäse
Brunost ist streng genommen keine Süßigkeit, sondern Käse. Aber sein karamellig-süßer Geschmack bringt ihn in die Nähe von Süßwaren, und kein Artikel über norwegische Naschereien wäre komplett ohne ihn. Brunost wird aus eingekochter Molke hergestellt – das Einkochen karamellisiert den Milchzucker und gibt ihm die typische braune Farbe und den süßlich-nussigen Geschmack.
In Norwegen wird Brunost dünn gehobelt auf Brot oder Waffeln gegessen, oft zum Frühstück oder zur Kaffeepause. Der Geschmack ist gewöhnungsbedürftig – manche lieben ihn sofort, andere brauchen mehrere Anläufe. Im Kurs war Brunost das Thema, das die meisten Reaktionen ausgelöst hat: von begeistert bis irritiert war alles dabei.
In Deutschland erhältlich? Ja, in gut sortierten Supermärkten (REWE, Edeka) und bei Amazon. Einer der wenigen norwegischen Produkte, die man in Deutschland problemlos bekommt.
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Krone-Is – Norwegens Sommer-Eis
Krone-Is ist in Norwegen das, was Langnese in Deutschland ist: die Eiscreme-Marke, die zum Sommer gehört. Von Vanille bis zu spezielleren Sorten bietet Krone-Is eine breite Palette. Besonders beliebt nach einem langen Tag beim Wandern oder während des Sommerurlaubs in Norwegen.
In Deutschland erhältlich? Nein. Krone-Is gibt es nur in Norwegen.
Ahlgrens Bilar – die Schaumzucker-Autos
Ahlgrens Bilar sind streng genommen ein schwedisches Produkt – aber in Norwegen so verbreitet, dass sie in keiner Süßigkeiten-Übersicht fehlen dürfen. Die kleinen, auto-förmigen Schaumzuckerstücke sind weich, fruchtig und in Skandinavien ein absoluter Klassiker. Es gibt sie in verschiedenen Geschmacksrichtungen, die beliebteste ist das Original in drei Farben.
In Deutschland erhältlich? Ja, über Amazon und in schwedischen/skandinavischen Geschäften.
Norwegische Süßigkeiten in Deutschland kaufen
Wenn du norwegische Süßigkeiten kaufen willst, ohne nach Norwegen zu fliegen, hast du mehrere Möglichkeiten:
Amazon: Die einfachste Option. Freia, Smash!, Polly, Brunost und Ahlgrens Bilar sind verfügbar. Die Preise liegen allerdings deutlich über dem norwegischen Niveau – rechne mit dem Zwei- bis Dreifachen des Originalpreises.
Skandinavische Spezialgeschäfte: In größeren deutschen Städten gibt es skandinavische Läden oder „Nordische Ecken“ in Feinkostgeschäften. Die Auswahl ist begrenzt, aber du findest dort oft Freia-Schokolade und Brunost.
Online-Shops: Spezialisierte nordische Online-Shops wie Scandinavian Park oder Nordisches Kontor bieten eine breitere Auswahl. Besonders für Süßigkeiten-Boxen als Geschenk eine gute Adresse.
Direkt aus Norwegen: Wer es ernst meint, bestellt bei norwegischen Supermärkten wie Oda (ehemals Kolonial.no) – allerdings mit hohen Versandkosten.
Mein Tipp: Wenn du ohnehin einen Norwegen-Urlaub planst, deck dich dort ein. Die Preise im norwegischen Supermarkt sind für Süßigkeiten überraschend fair – deutlich günstiger als die Importpreise in Deutschland.
Norwegische Süßigkeiten als Mitbringsel
Wer aus Norwegen zurückkommt und Süßigkeiten mitbringt, macht wenig falsch. Freia-Tafeln reisen gut, brechen nicht und passen in jedes Handgepäck. Kvikk Lunsj ist klein und robust – ideal für ein Büro-Mitbringsel. Smash! ist für viele Deutsche eine komplette Entdeckung und deshalb ein dankbares Geschenk. Wer es etwas mutiger mag, packt auch norwegischen Lakritz ein – das polarisiert zuverlässig, bleibt aber im Gedächtnis.
Was ich aus Erfahrung weglasse: Krone-Is (braucht Tiefkühlkette), Brunost (riecht in warmer Reisetasche schnell intensiv) und Bamse Mums in großen Mengen (zerdrücken sich). Für eine Mitbringsel-Box empfehle ich eine Mischung: eine Freia-Tafel, eine Packung Kvikk Lunsj, Smash! und eine kleine Tüte Lakritz. Das gibt ein vollständiges Bild der norwegischen Süßwarenkultur für unter 15 Euro im norwegischen Supermarkt.
Ausführliche Tipps zu Mitbringseln aus Norwegen – von Süßigkeiten bis Hygge-Geschenken – findest du hier: Mitbringsel aus Norwegen – was sich wirklich lohnt
🛒 Im norwegischen Supermarkt kaufen – und dabei punkten.
Wer Freia, Kvikk Lunsj und Smash direkt in Norwegen kauft, zahlt ein Drittel von dem, was der Import kostet. Und wer dabei ein paar norwegische Sätze benutzt, erlebt eine andere Norwegen-Erfahrung als derjenige, der schweigend auf die Kasse zeigt. Keine Grammatik, kein Kurs – nur die 450 Vokabeln, die auf der Reise wirklich zählen.
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Lørdagsgodt – Süßigkeiten nur am Samstag
Ein Aspekt, der Deutsche oft verblüfft: In Norwegen gibt es die Tradition des lørdagsgodt – des Samstags-Naschwerks. Viele norwegische Familien kaufen Süßigkeiten nur am Samstag, und die Kinder lernen von klein auf, sich die ganze Woche darauf zu freuen.
Das erklärt, warum norwegische Supermärkte riesige Selbstbedienungs-Süßigkeitenregale haben, an denen man sich seine Tüte selbst zusammenstellt. Am Samstag bilden sich dort regelrechte Schlangen. Diese Tradition war eines der Gesprächsthemen im Kurs, bei dem die kulturellen Unterschiede zwischen den Teilnehmern besonders deutlich wurden – für manche war Süßigkeiten-Rationierung ein völlig fremdes Konzept.
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Über den Autor
Sven lernt Norwegisch seit 2006 – aus beruflicher Notwendigkeit, die zur Leidenschaft wurde. Auf Dienstreisen nach Norwegen, oft mit der Color Line von Kiel nach Oslo, hat er die norwegische Kultur aus nächster Nähe erlebt – und dabei gelernt, dass ein Einkauf im Supermarkt mehr über ein Land verrät als jedes Reiseführer. Auf Norwegisch-lernen.info schreibt er über Sprache, Kultur und Alltag in Norwegen. Mehr über Sven